Freddie Mercury

 

Séan O'Hagan

 

I SEE A LITTLE SILHOUETTO OF A MAN

Während ich diesen Text an einem trüben Sommertag im Juni 2000 schreibe, zieren riesige Plakate diverse Londoner U-Bahnstationen, die für eine Online-Investmentfirma namens 'Egg' werben. Auf dem Plakat stehen die folgenden Zeilen aus Bohemian Rhapsody von Queen:

I see a little silhouetto of a man
Scaramouche scaramouche
Will you do the fandango
Thunderbolt and lightning
Very very frightning me
Galileo Galileo Galileo Galileo Galileo Figaro

In großen, fettgedruckten, roten Buchstaben jedoch wird der neugierig gewordene U-Bahn-Fahrer gleichzeitig angewiesen, nun aber auf keinen Fall loszusingen: "DO NOT SING THIS!" Natürlich ist dies eines der ältesten Tricks der Werbebranche - man wird aufgefordert, etwas nicht zu tun und gleichzeitig ermutigt, es doch zu tun - und das Auge des Betrachters wird dann unweigerlich auf die Mörder-Zeile am Ende gebracht: "Möglicherweise haben Sie jetzt keine Kontrolle über sich, aber zumindest können Sie die Kontrolle über Ihre Investitionen behalten." Perfekt.

Die Anzeige schafft es, mit frappierender Deutlichkeit an unsere Neugierde zu appellieren und dabei in der für postmoderne Online-Werbetrends typischen Weise bewusst clever zu sein. Ausnahmsweise verdient der Werbetexter, der sich dieses Konzept ausgedacht hat, das zweifellos überhöhte Gehalt, das er bekommt, denn bei näherer Untersuchung erweist sich diese Anzeige auch auf einer ganz anderen Ebene als ausgesprochen clever. Erstens hat sie mich, einen widerwilligen U-Bahn-Fahrer und noch widerwilligeres Opfer von Werbung, tatsächlich zum Lächeln gebracht. Und sie hat mich darüber hinaus noch auf einem überfüllten U-Bahnsteig der Northern Line in der allmorgendlichen Stoßzeit zum Lächeln gebracht. (Warum ich lächelte? Weil die Wörter bereits in meinem Kopf umhertanzten, als ich die Anweisung las, sie nicht zu singen.)

Zweitens hat sie mich zum Nachdenken gebracht - zwar nicht über das von den Werbeleuten bezweckte Thema (niemand, egal wie clever und überzeugend, kann mich dazu bewegen, morgens in der Hauptverkehrszeit in der Northern Line über Online- oder irgendwelche anderen Investments nachzudenken!). Nein, worüber ich nachdachte, war die Besonderheit der Liedwahl - dass irgendein Typ mit Pferdeschwanz, der wahrscheinlich noch nicht einmal geboren war, als Freddie Mercury diesen Text geschrieben hat, in seinem coolen, minimalistischen Werbebüro das perfekte, vielleicht sogar das einzige Werkzeug für sein Werbekonzept gefunden hat. Und dieses Werkzeug war noch nicht einmal ein ganzer Popsong, sondern nur ein kleiner Ausschnitt, ein Bruchteil der von Bohemian Rhapsody gebildeten Einheit. Ein Bruchteil jedoch, der sich sofort im Kopf des Zuhörers - bzw. in diesem Fall des Betrachters - festsetzt, trotz aller Bemühungen, es dort wieder zu entfernen.

Dies wiederum hat mich veranlasst, über Texte von Popsongs im allgemeinen nachzudenken - über ihre scheinbar mühelose Fähigkeit, sich wie keine andere populäre Kunstform im Gehirn einzunisten; ihre Fähigkeit, nicht nur Teil des persönlichen Bewusstseins, sondern des kollektiven zeitgenössischen Bewusstseins zu werden. Und in diesem bestimmten Fall nicht nur des britischen, europäischen oder amerikanischen zeitgenössischen Bewusstseins, sondern des globalen. Daraufhin führten mich meine Gedanken unweigerlich vom Allgemeinen zum Spezifischen und speziell zu diesem Popsong Bohemian Rhapsody - der jedoch in gewisser Weise so weit von der herkömmlichen Idee eines Popsongs entfernt ist, wie dies nur möglich ist.

Eines der ersten Dinge, die mir persönlich in diesem Zusammenhang auffielen war, dass der Song war fest und unerschütterlich in meinem Bewusstsein verankert war, seit ich ihn 1975 zum ersten Mal gehört hatte, dass ich Bohemian Rhapsody jedoch für den Großteil dieser Zeit noch nicht einmal mochte. Für lange Zeit, während und nach der Möchte-Gern-Punk-Revolution der Jahre 1976/77, als Queen unseren personifizierten Feind verkörperte, war es sogar ein Song, den ich aktiv verabscheute. Ich sah es als großes, aufgeblasenes, hochtrabendes, protziges Epos, das - wie viele andere seiner noch größeren und aufgeblaseneren und protzigeren Verwandten aus dem progressiven Rock-Genre (nachfolgend als "Prog-Rock" bezeichnet) - genau das war, wogegen sich mein ganzes Popleben richtete. (Seit diesen weit zurückliegenden Punk-Tagen habe ich natürlich erheblich dazugelernt und kann mich heute, nachdem ich nun auch die bewusstironische Phase der Wertschätzung von Bohemian Rhapsody hinter mir habe, einfach vor dem rein irren Genie des Textes, den Arrangements und der opernhaften Übertreibung verneigen - obwohl ich weiterhin eine dauerhafte Abneigung gegen alles hege, was mit Prog-Rock zu tun hat).

Meine Grübeleien über die Einzigartigkeit von Bohemian Rhapsody und der damit verbundenen Einzigartigkeit dieses Lieds als Werbeträger setzte sich während meiner unruhigen Fahrt nordwärts von Oval nach Soho fort - nicht zuletzt auch deshalb, weil ich den Liedtext, der sich jetzt wieder einmal fest in meinem Kopf eingenistet hatte, nicht mehr loswerden konnte. Welch anderer Text, ragte ich mich, hat diese Macht? Welch anderer Popsong hat dieselbe pauschale Wirkung? Welches andere Stück hat eine ähnlich kollektive, kultur- und generationsübergreifende Resonanz? Lassen Sie uns nachdenken... Imagine von John Lennon? Wohl kaum, denn es hätte weder bei mir, noch bei meinem Lebenspartner noch bei zahllosen anderen leidgeprüften U-Bahn-Fahrern ein erstes unfreiwilliges Grinsen beim Leser der Textzeilen hervorgerufen, gefolgt von einem zweiten, während wir vergebens versuchen, den Text nicht in unserem Kopf abspulen zu lassen. Vielleicht also eher Like A Rolling Stone von Bob Dylan? Nein, auch nicht. Zu speziell, zu exklusiv und intellektuell zu anspruchsvoll. Wie Wär's mit Led Zeppelins Stairway To Heaven, die andere großartige, epische doch kryptische Hymne, die eine Zeitlang - wie Bohemian Rhapsody - drohte, sich für ihren Verfasser als Klotz am Bein zu erweisen? Auch dieses Lied genügt en Anforderungen nicht: Nicht bekannt genug außerhalb der Heavy- Metal-Kreise, zu geringe Reichweite beim breiten Publikum. My Way dann vielleicht, von Frank Sinatra? Nein. Zu langsam und altmodisch, und völlig daneben, was den gewünschten Ton betrifft.

So zerbrach ich mir unentwegt den Kopf, um eine Pop-Hymne zu finden, die für mich, für die breite Öffentlichkeit und für das raubtierhafte Gehirn des Werbetexters auf ähnlich perfekte Weise hätte funktionieren können. Natürlich ließ ich im Geiste die Beatles-Songs durchlaufen und die größten Hits der Stones, ebenso wie den endlosen Strom der melodischen Mitsing-Popsongs des guten alten Elton. Ich dachte sogar an die relativ kleinen, doch in jüngster Vergangenheit unvermeidbaren Werke von Upstarts wie Oasis und, in meiner Verzweiflung, sogar an die von den Spice Girls. Aber letztlich gab es einfach  keinen Vergleich. Es musste, konnte nur Bohemian Rhapsody sein - ein Song, den wirklich jeder, selbst jemand mit nur oberflächlichem Interesse an Popmusik, kennt, das jedoch niemand - ausgenommen möglicherweise, doch nicht unbedingt - der große Freddie Mercury selbst - vorgeben könnte zu verstehen.

Denken Sie mal einen Augenblick nach. Ein Song wird weltweit Teil des kollektiven, zeitgenössischen Bewusstseins, und entzieht sich gleichzeitig entschieden jedem individuellen logischen oder selbst instinktiven Verständnis seines Textes. Hier ist eine besondere Art von Genie am Werk. Eine teuflische Fantasie. Ein machiavellistisches Pop-Gehirn. Bedenken Sie nun, dass es dem betreffenden Song tatsächlich gelingt, die Strukturen und Schattierungen der leichten Oper mit der Urdynamik von Heavy Rock und der vielspurigen, barocken Geometrie von Prog-Rock zu vereinen. Und als sei dieser bereits äußerst potente Cocktail noch nicht genug, wird all dies von einem Sänger dargeboten, der in possenhaften Operntönen, die stellenweise an die Helden der englischen Gilbert- & Sullivan-Operetten der Jahrhundertwende erinnern, seine einzigartige Geschichte erzählt - sofern man den inspirierten Wahnsinn dieses Textes als Geschichte bezeichnen kann.

Wenn die Form des Liedes anmutet, als hätten die renommierten Operettenschreiber Gilbert & Sullivan beim Komponieren mit Psychodrogen experimentiert, so ist er vom Inhalt her eher mit den assoziativen Wortspielen und absichtlich unsinnigen Versen einer älteren Generation englischer Literaturexzentriker wie Edward Lear oder Lewis Carroll vergleichbar. um des Guten zuviel zu tun, ist der betreffende Opus fast 6 Minuten lang (von ursprünglich 7 Minuten auf 5 Minuten und 52 Sekunden zurückgestutzt, um genau zu sein), obwohl die bis auf Chuck Berry zurückgehende ungeschriebene Regel für Popsongs besagt, dass die Durchschnittslänge der perfekten Pop-Single, wie wir alle wissen, bei unter drei Minuten liegt. Nachdem die Platte also diese wichtige und meist zuverlässige Regel sowie die meisten anderen ungeschriebenen Regeln des Pop gebrochen hatte, schoss sie an die Spitze der Hitlisten, wo sie unangetastet 9 Wochen lang verblieb - die längste Zeit auf Nummer 1 seit Paul Ankas Hit Diana im Jahr 1957. Damals wie heute verkörpert Bohemian Rhapsody unter anderem den Triumpf des unverständlichen. Aber so war es wirklich, und auf die eine oder andere Weise haben wir seit diesem schicksalsschweren 29. November 1975, als der Song die Nummer 1 erreichte, mit der Unverständlichkeit des Erfolgs dieses Songs gelebt.

Seitdem haben mehrere Generationen häufig durchaus unwilliger Musikfans erlebt, wie ihr individuelles und kollektives Bewusstsein von diesen "scaramouches" und "fandangos" kolonisiert wurde, haben die Wörter gesummt, gesungen, sich über sie lustig gemacht, versucht sie aus ihrem Kopf zu verbannen, und am Ende einfach das Handtuch geworfen. (Gerade das hat der inspirierte Werbetexter hinter der U-Bahn-Anzeigenkampagne natürlich instinktiv verstanden.) Seitdem wurde die Platte in der Umfrage "Music of the Millenium" zu Großbritanniens bester Single aller Zeiten gewählt. Dank ihrer Rolle im amerikanischen Komödienhit "Wayne's World" ist sie außerdem zu einer postmodernen Hymne der neuen Generation geworden (Welch Werdegang!). Darüber hinaus hat sie unterbewusst zweifellos als Schablone für eine ähnlich ehrgeizige, aufgeblasene Prog-Rock-Hymne gedient: Radioheads Paranoid Android - auch wenn die Gruppe und ihre Fans dies nur ungern zugeben würden. (Bitte leise flüstern, da die Herrschaften höchst empfindsam sind und nichts für die Art von Humor übrig haben, die vielen von Freddies großen und kühnen Projekten zugrunde lag.)

Kurz, das Vermächtnis von Bohemian Rhapsody war genauso überraschend und unverständlich wie die ursprüngliche Ambition des Songs. Eins ist jedoch sicher: Es gibt nichts Vergleichbares in der Geschichte des Pop. Das Lied ist gänzlich einzigartig. Einmalig. Unübertroffen. Genau wie sein Schöpfer. Deshalb ist dieses Lied auch der Punkt, von dem wir ausgehen müssen, wenn wir den großen Freddie Mercury würdigen wollen, selbst wenn sich dies wie hier auf seine wesentlich weniger gefeierte Solokarriere bezieht. Denn Bohemian Rhapsody verkörpert alles, was so inspiriert/aufgeblasen/wahnsinnig ehrgeizig an Freddie Mercury war, diesem nur schwer definierbaren Künstler, der seinen Namen, der im Adjektiv "mercurial" zu Deutsch sprunghaft, wechselhaft bedeutet, alle Ehre machte. (Wie alles an ihm - von seiner Bühnenpersönlichkeit über seine Kostüme und seine Songtitel - war auch sein Künstlername sorgfältig ausgewählt.) Dieser Song war der Wendepunkt, an dem Queen von einer populären Glam-, Post-Prock-Rock-Popgruppe zu einem Pop-Phänomen wurde, und zwar ein Pop-Phänomen, das fortan - und dies ist enorm wichtig und wird oft übersehen - allen maßgebenden kritischen und/oder kulturellen Veränderungen im Geschmack und in der Mode der letzten 30 Jahre widerstanden hat. Bis Bohemian Rhapsody war Queen einfach eine Rockband von vielen, wenngleich eine, deren geeinte Vision und daraus folgende Liebe zum Detail in der Rockmusik selten war. Nach Bohemian Rhapsody wurde Queen, und vor allem Freddie Mercury, zu etwas völlig anderem, etwas Enormen und Unaufhaltsamen, etwas Phänomenalen.

Obwohl es vor Bohemian Rhapsody bereits Dylans Subterranean Homesick Blues und Strawberry Fields der Beatles gegeben hatte, war Bohemian Rhapsody das erste moderne Pop-Werbevideo. im Gegensatz zu seinen erlauchten Vorgängern wurde es von einer breiten Öffentlichkeit gesehen und war demzufolge fast ebenso im Gespräch wie der Song selbst. Außerdem war dies der Moment - wir könnten wir es je vergessen - an dem Freddie Mercury mit Glanz und Gloria und seiner ganzen Exaltiertheit und seiner schier überwältigenden Präsenz in unser Pop-Bewusstsein vordrang - mit einer Fanfare, die sich kaum einem Entertainer vor oder nach ihm vergleichen lässt. Wir hörten nicht nur, wie Freddie diesen verrückten Text sang, sondern sahen, wie er ihn in seiner ureigenen und unnachahmlichen Weise in Bilder umsetzt: Erst erscheint er als Abbild eines glamourösen Sängers und Komponisten auf einem Klavierhocker kauernd, dann sieht man kurz seine Silhouette wie Laurence Olivier als Richard III, als nächstes stolziert er durch Trockeneiswolken wie der Leader einer Glam-Metal-Stadionband, als als pièce de resistance sieht man ihn durch ein Prisma als kaleidoskopartige Darstellung seiner selbst. Wenn das keine Aussagekraft hat! Hier, im kurzen Zeitraum eines wenngleich epischen Songs erscheint Freddie, der Showman, das Chamäleon, der Fantasiekünstler. Und damals wussten wir noch nicht, dass dies erst der Anfang war...

 

MERCURY RISING... FREDDIES STERN STEIGT AUF

 

Um Freddie Mercury, das Pop-Chamäleon, in seinem eigentlichen Wesen zu verstehen, müssen wir uns zumindest oberflächlich in die Kindheit von Farrokh Bulsara zurückbegeben. Farrokh wurde am 5. September 1946 auf Sansibar, laut Reisebroschüren die Insel exotischer Gewürze, geboren. (Ich habe oft gedacht, dass er den Namen Farrokh für seine dynamische, kreative Zusammenarbeit mit Montserrat Caballé als Opernnamen wieder hätte annehmen sollen, um eine direkte semantische Umkehrung zu erzielen: King Farroukh anstatt Queen('s) Freddie.) Seine Eltern, Bomi und Jer Bulsara, stammten aus Gujarat in Westindien. Sie waren Parsi und somit Anhänger des Propheten Zarathustra.

Trotz seiner Geburt in Sansibar war Farrokh Bulsara alias Freddie Mercury durch und durch Inder: Er besuchte 10 Jahre lang das St. Peter's Internat in Bombay und kam erst im Alter von 17 Jahren nach England. Auch wenn er seine Herkunft stets heruntergespielt hat, sollte er unter anderem als Großbritanniens erster und größter indischer Popstar erinnert und gefeiert werden. (Interessanterweise sehen sich die Parsi eher als Perser und nicht als Inder, obwohl sie bereits vor über 1000 Jahren aus Persien geflohen sind. Auch Freddies Familie, gebürtige Inder mit britischem Pass, betrachtet sich als Teil der Parsi-Rasse - eine Unterscheidung, die die subtile, doch oft tief unter die haut gehende Diskrepanz zwischen Staatsbürgerschaft und religiösen Wurzeln hervorhebt.)

 

 

In Indien wurde die Saat für Freddies Leben im Showbusiness gelegt. Auf den hier abgebildeten Fotos sieht man ihn als Sportler (Best All Rounder und Medaillengewinner) und als Schauspieler in einer Aufführung in St. Peter's Boarding School, Indien - etwas übertrieben aussehend zwar, aber bereits im Mittelpunkt. Ein etwas älterer Freddie posiert genau in der Mitte der gänzlich aus indischen Mitgliedern bestehenden Kombo 'The Hectics', seiner ersten Gruppe, in der er Klavier spielte und seine ersten Gesangsversuche mit Liedern von Buddy Holly und Elvis Presley machte. Auf der Aufnahme von 1962 sitzt er dann auf einem Gartenstuhl im Schulgelände und gibt sich als selbstgestylter Gatsby-Typ, mit Sonnenbrille, weißem Hemd, gebügelter Hose und passenden Schuhen. 

Das nächste Foto, das sechs Jahre später und auf einem ganz anderen Kontinent aufgenommen wurde, ist am faszinierendsten von allen. Unter dem dandyhaften Samthut ist das Haar jetzt länger und nicht mehr zurückgekämmt. in Jeans, T-Shirt und barfüßig hält er eine Fender-Stratocaster-Gitarre in eindeutig Jimi-Hendrix-ariger Pose. Er sieht völlig anders aus, verändert, auf seinem Weg in eine Richtung, die ihn weit vom St. Peter's Internat und von den Hectics wegführen wird; weit weg auch von seinem spartanisch eingerichteten Wohnzimmer in Feltham, unweit von Heathrow, Englands Tor zur Welt.

Freddie war 18, als die Bulsara-Familie vor der Revolution, die Indien die Unabhängigkeit von der britischen Vorherrschaft verschaffte, floh und nach England zog. Als Jugendlicher, der plötzlich von einer Kultur in die andere eintauchte, scheint es Freddie nicht besonders schwer gefallen zu sein, sich an sein neues Leben anzupassen. 1966 besuchte er das Ealing College of Art und folgte somit den Fußstapfen von Pete Townshend von The Who und Ron Wood, Gitarrist bei den Faces und später den Rolling Stones. 1969 verließ er das College mit einem Diplom in Grafik & Desing.

In diesen drei Jahren, in denen Freddie Kunst studierte, hatte sich die Grundrichtung der Popwelt verändert. Von einer Mietwohnung in Kensington aus tastete Freddie Bulsara sich erstmals in die aufkeimende Londoner psychedelische Gegenkultur vor. Er kaufte bei Biba, dem schicksten Warenhaus des "swinging London" und auf dem Kensington Market, und kleidete sich in Samt und Seide wie sein Held, Jimi Hendrix. 

Später hatte er hier zusammen mit seinem neuen Freund Roger Taylor einen Marktstand, an dem er antike Seidenschals, Pelzmäntel, exotische Stoffe sowie die Kunstwerke von Freddie und den interessanteren Mitstudenten des Ealing Art College verkaufte. "Wir haben sogar Freddie Diplomarbeit verkauft", erzählte Taylor der Zeitschrift Mojo, "die gänzlich auf Hendrix basierte. Es gab ein paar schöne Sachen - zum Beispiel ein Planetscape, und er hatte den Text zu Third Sonte frome the Sun geschrieben." Freddie, der zusammen mit Taylor jetzt auch volles Queen-Mitglied war, gab zu, neun Abende hintereinander zu einem Live-Auftritt von Hendrix gegangen zu sein, "eine Show nach der anderen". Angesichts Freddies späterer Karriere kann man vermuten, dass es neben der explosiven Musik des Mannes auch das image von Hendrix war, das ihn so fasziniert hat.

Auf dem Höhepunkt seiner Karriere war die Bühnenpersönlichkeit von Jimi Hendrix, wie selbst ein flüchtiger Blick auf alte Filmausschnitte zeigt, von hypnotischer und fast an Schamanismus grenzender Wirkung. Er bewegte sich im Reich der Extreme und des Paradoxen: androgyn und doch mit ausgeprägt sexueller Ausstrahlung; zerbrechlich und doch explosiv leidenschaftlich und gewaltsam; ein Gespenst in femininen Seidenschals und hautengen Samthosen, der gelegentlich seine Gitarre anzündete und anschließend einen höchst detailgetreuen Geschlechtsakt an ihr vorspielte. Der Einfluss von Hendrix auf das britische Pop-Publikum und die katalytische Wirkung, die er auf die vielen Künstler hatte, die zu Massen in seine Shows strömten, kann nicht genug hervorgehoben werden. Brian Jones und John Lennon, die zum frühen Tod verdammten Vorreiter des psychedelischen Pop, waren ständig vor der Bühne zu finden - genau wie der junge, noch richtungslose Rocksänger Freddie Mercury.

 

One Vision

Fünf Jahre nach diesem Foto im Hendrix-Stil kam Freddie Mercury - Freddie, das Chamäleon, Freddie, der schon jetzt großformatige Fantasiekünstler - erstmals in mein Leben. Damals, als junger, unsicherer Teenager in Nordirland, der nur eines genau wusste: Dass das Leben sich woanders abspielt, war ich mit Leib und Seele nicht der Pop-Musik, sondern der Rock-Musik verschrieben. Damals war das ein gewaltiger Unterschied: Pop-Musik war Sweet und Mud und David Cassidy. Rock-Musik waren die mächtigen Led Zeppelin und Roxy Music und David Bowie. Pop war Singles; Rock was LPs. Pop war Jimmy Saville in 'Top of the Pops', eine Sendung, die ich trotzdem religiös jede Woche sah, weil vielleicht Bowie oder Roxy, aber niemals die großen Zepps, auftreten würden; Rock war "Whispering" Bob Harris und The Old Grey Whistle Test, Sendungen, in denen Bowie und Roxy und eine Fülle noch exotischerer Gruppen mit fast alarmierender Regelmäßigkeit erschienen.

Jeden Dienstagabend lief ich also zu einem Nachbarn hinüber, um 'The Old Grey Whistle Test' auf BBC2 zu sehen, ein relativ neuer Sender, der bei mir zu Hause noch nicht ausgestrahlt wurde. Besonders gut erinnere ich mich daran, wie ernst "Whispering" Bob seine Rolle als Verfechter der "echten Rockmusik" nahm; wie er - einem leicht bekifften Akademiker gleich - die Stammbäume, LPs und Live-Auftritte der Bands in gedämpftem Flüsterton abspulte, als würde er geheimes, heiliges Wissen weitergeben. Was auf eine Weise auch tatsächlich der Fall war. Darüber hinaus erinnere ich mich an die merkwürdigen Cartoons, die zur Untermalung bestimmter, gewöhnlich brandneuer Stücke dienten - dies war natürlich noch die Vor-Video-Ära. Später fand ich heraus, dass diese Cartoons in ganz Großbritannien und Nordirland von bekifften Rock-Fans eifrig verfolgt wurden - eine Art geheimer Club kichernder 'Whistle Test'-Liebhaber, die die kryptischen, zen-artigen Ansagen von "Whispering" Bob und die eigenartigen, abstrakten Zeichentrickfiguren ebenso liebten wie die Musik. Einmal, es muss im Jahre 1973 gewesen sein, stammte das Stück, das den Cartoon begleitete, von einer unbekannten Gruppe namens Queen. Es hieß, wie "Whispering" Bob uns mit großem Ernst mitteilte, Keep Yourself Alive. Wie der Titel bereits andeutet, war es ein schnelles, fast fiebriges Stück, das jedoch über eine gewisse Geschmeidigkeit verfügte und das Gefühl vermittelte, dass man an dem Song gearbeitet hatte, dass er geformt, geglättet und poliert worden war. Wie wir heute sehen, war es nebenbei auch als eine Art Absichtserklärung zu verstehen.

Das nächste, was ich von Queen hörte, war ein Lied namens Seven Seas Of Rhye vom 1974er Album Queen II. Ich war verwirrt. Rückblickend verstehe ich auch warum. Einfach gesagt: Es hörte sich an wie eine vollkommen andere Gruppe. Cliff Jones, Gelegenheits-Rockjournalist und Bandleader einer zeitgenössischen Glam-Pop-Gruppe namens 'Gay Dad', an denen Freddie zumindest der Name gut gefallen hätte, sagt: "Die Texte gehen auf Freddies Tolkien-Obsession zurück." In der Zeitschrift Mojo schrieb er im August 1999, als Queen auf dem Cover abgebildet war: "Spielen Sie das Stück im Vergleich zu Never Mind The Bollocks (von den Sex Pistols) - es wird Sie überzeugen. Auch wenn Freddie einen schwarzen Overall mit diamantenbesetzten Handschuhen trug, war dies im wesentlichen eine Punk-Nummer, eine hochtourige Darbietung, die die ganze Teenage-Aggression enthält, die eine gute Platte braucht. Leute, die sagen, Queen seien Pomp-Rocker, haben keine Ahnung - Queen lässt jede Mitläufer-Punk-Band glatt links liegen."

Ehrlich gesagt waren die vier Mitglieder von Queen - Freddie, Schlagzeuger Roger Taylor, Gitarrist Brian May und Bassist John Deacon - damals nicht sicher, was sie eigentlich wollten, und schienen mit allen Musikrichtungen von Pomp bis Proto-Punk zu experimentieren, um herauszufinden, worin sie am besten waren, wo sie hineinpassten. Später würden sie natürlich herausfinden, dass sie - wie alle großen Pop-Bands - überhaupt nirgends hineinpassten. Diese Tatsache muss ihnen ungefähr zeitgleich mit der Veröffentlichung ihrer nächsten Single, Killer Queen, gedämmert haben, die meiner Meinung nach die erste, echte Queen-Platte ist: eine Single, die eine definitive und - im nachhinein - sofort erkennbare Signatur hat. Diese Platte, ein Mini-Magnum-Opus, falls es sowas gibt, war noch durchgestylter und glatter als ihre Vorgänger und weniger frenetisch. Sie war auch ehrgeiziger. Freddie behauptete, den Text "in einer Nacht" geschrieben zu haben, aber dennoch hört sich der Song ungeheuer hart erarbeitet an - vielleicht aufgrund seiner recht vielschichtigen lyrischen und musikalischen Struktur, bei der die Melodie wie angegossen zum Text passt. Das erste, was mir auffiel, war der Text, dessen Grundaussage am besten durch das Eröffnungsquartett ausgedrückt wird:

"She keeps Moet et Chandon
In her pretty cabinet
Let them eat cake' she says
Just like Marie Antoinette..."


Also nicht gerade das normale Thema einer Rock-and-Roll-Platte, wenngleich sowhl Mick Jagger als auch Bryan Ferry ungefähr zur selben Zeit beide auf sehr unterschiedliche Art einer Textform frönten, die als Nobel- oder Posh-Rock-Texte bezeichnet werden könnte. Ich war stets davon ausgegangen, dass es in Killer Queen um einen hochklassigen Transvestiten ging, und dass es sich bei der "Queen" des Songtitels um einen Transvestiten handelte und nicht um eine königliche Queen. Stattdessen ging es jedoch, wie Freddie später etwas widerwillig zugab, "um ein hochklassiges Callgirl". Zweifellos selbstironisch fügte er hinzu: "Damit versuche ich zu sagen, dass auch kultivierte Leute Huren sein können". Nachdem man den ansprucksvollen Text kapiert hatte, musste man Freddies maniriert-Schwule, opernhafte Vortragsweise - teils Gilbert & Sullivan-Operette, teils männliche Diva - verarbeiten, die ein Vorbote dessen war, was die Zukunft bringen sollte. Schließlich gab es in und um die Wörter gewobene, mehrspurige Stimmharmonien, und Brian Mays harmonische Gitarreninterpretation, die von diesem Augenblick an ein konstantes und eindeutiges Merkmal aller nachfolgenden Queen-Hits werden sollten. Mit Killer Queen hatte die Gruppe ihren ureigenen Sound entwickelt. Ein Sound, der werder ganz Prog-Rock war, obwohl er erkennbare Spuren dieses überbewerteten Genre aufwies, noch ganz Glam-Rock, obwohl er sich um denselben Themengegenstand bewegte und mit denselben Federn und Pailletten schmückte. Damals trug Freddie hauptsächlich Satin und Seide, mit blutrot oder tiefschwarz gelackten Fingernägeln. Er sah exotisch, gelegentlich sogar etwas bedrohlich aus, wie er auf der Bühne auf- und abstolzierte als gelte es, ein Territorium abzustecken und sein eigen zu machen.

Ich muss hier an dieser Stelle gestehen, dass meine Teenagerjahre sich nicht vor einem Queen-Soundtrack abgespielt haben. Vielmehr war mein Leben als Jugendlicher von Bands wie Led Zeppelin oder Roxy Music beherrscht. Ich bin auch nie wie bei den anderen beiden Gruppen losgerannt und habe noch am Tag der Veröffentlichung ihre Singles und LPs gekauft. Nein, die Songs von Queen waren irgendwie einfach immer da: im Radio, in der Disko, im Hintergrund auf Parties. Ich mochte sie, aber ehrlich gesagt war mir ein roher, ursprünglicherer Rock-Sound lieber. Durch die Zeitschrift NME hatte ich einige noch exotischere und merkwürdigere Gruppen entdeckt, wie die New York Dolls und Iggy&The Stooges, Bewohner der musikalischen Halbwelt des Big Apple. Ohne es zu wissen, wartete ich auf Punk. Und Punk kam pünktlich 1976.

Im selben Jahr, doch in einem gänzlich anderen Pop-Universum, schaffte auch Queen den Durchbruch. Punk kam und ging in Windeseile und beeinflusste jede nachfolgende neue Musikrichtung; Queen hingegen, von Fähigkeit und Einstellung her eine Vor-Punk-Gruppe, blieb am Ball und hat der Punk-Revolution und jeder anderen nachfolgenden Veränderung in der Musik- und Pop-Kultur standgehalten. (Queen ist jedoch Gegenstand einer Fußnote in der Punk-Geschichte: Es war Queens plötzlicher Rückzug aus der von Bill Grundy moderierten Fernsehshow 'Today', die dazu führte, dass die Sex Pistols auftraten und im echten Punk-Stil mit Flüchen und allgemein unausstehlichem Benehmen in das öffentliche Bewusstsein platzten.)

Wie bereits gesagt war der Punkt, an dem Queen ihre Reise in die Pop-Stratosphäre und in unser kollektives Bewusstsein begann, Bohemian Rhapsody. Danach war nie wieder etwas wie früher. Rückblickend wird klar, dass dieser Song auf seine Weise so bedeutungsvoll als Single war wie Anarchy In The UK von den Sex Pistols, insofern es einen bestimmten Moment in der Popkultur darstellt, ab dem es kein Zurück mehr gab. Von nun an war man entweder auf der Seite von Queen - fest angeschnallt für die ganze, lange, holprige Fahrt - oder man sprang aus dem Notausstieg in der Hoffnung auf eine unsichere Landung auf dem Planeten Punk. Ich, lieber Leser, gehörte zu den Letzteren. Ab Bohemian Rhapsody im Jahr 1975 bis zum Video von I Want To Break Free im Jahr 1984, als mir plötzlich klar wurde, wie irre und subversiv Freddie Mercury sein konnte, hatte ich versucht, Queen und ihre Musik aus meinem Pop-Leben zu verbannen. Ich definierte mich selbst eindeutig als gegen alles, was Queen meiner Meinung nach verkörperte. Und natürlich wurden sie einfach immer größer und größer, unumgänglicher, unentrinnbar.

Queen hat die Welt erobert, aber nie die Pop-Presse. Das war ihr Schicksal in der Popkultur: stets populär, aber nie richtig "in". "Wie wurden nie von den Kritikern gelobt", sinnierte Roger Taylor in Mojo, "was meiner Meinung nach ziemlich wichtig zu werden schien schien, je mehr man von den Kritikern gelobt wurde, um so sicherer konnte man mit Misserfolg rechnen". Von Anfang an war Misserfolg kein Wort, das bei Queen eine große Rolle spielte. "Wie wollten ganz nach oben, mit weniger hätten wir uns nicht zufrieden gegeben," erinnerte sich Freddie Jahre später. "Wir wollten die Besten sein. Es ging nicht darum, die Welt zu beherrschen, obwohl das vielleicht manchmal so rüber kam... Arroganz ist etwas sehr Positives, wenn man sich in diesem Business behaupten will. Man sagt einfach, dass man die Nummer 1 sein wird, nicht Nummer 2, hofft aufs Beste und strebt nach oben." Sie verschwendeten auch keinen weiteren Gedanken mehr an das Hineinpassen-Wollen. Dabei darf man nicht vergessen, dass Queen sich in den 70er Jahren aus den wichtigsten Umfeldern der Pop-Kultur heraus entwickelt hat, ohne jedoch jemals wirklich teil davon gewesen zu sein. Die Gruppe entstand, als Prog-Rock und Glam-Rock die vorherrschenden Formen waren, passten jedoch in keine dieser beiden Kategorien. Ihr Durchbruch kam Mitte bis Ende der 70er Jahre, als Punk gerade gegen alles Große und Bombastische anstänkerte und als die Art von Musik, die Queen machte - episch, aufgeblasen, breitwand - eigentlich hätte verkümmern und sterben sollen.

Anfang bis Mitte der 80er Jahre wuchsen sie weiter. Sie mutierten zu einer Stadionrockband, die durch Exzesse und epische Ambitionen gekennzeichnet war, und ignorierten ungeniert die Tatsache, dass sie weiterhin nicht "in" waren. Während ernsthafte Rock-Studenten zur klimpernden Gitarre und zum einsamen Solipsismus der Smiths und deren Nachahmer im Takt mit dem Kopf nickten, stolzierte Queen laut und stolz und unverfroren auf der Bühne umher - wie auf einem anderen Planeten. Kurz, Queen war die Rockband, die die Welt gänzlich nach ihren eigenen Regeln regierte. Ihr Album von 1975, A Night At The Opera, blieb ein Jahr lang in den britischen Charts und erreichte Nummer 4 in Amerika. Das Nachfolgealbum, A Day At The Races, schaffte es auf dem Höhepunkt der Punkbewegung bis zur Spitze der Charts in England - wie ein verächtliches Schnauben in Richtung Johnny Rotten und Co. Und so ging es weiter: Die Doppel-A-Seiten-Single von 1977 We Are The Champions/We Will Rock You, sagte nicht nur alles, sondern sagte es auch, wie gehabt, laut und klar und mitten ins Gesicht. Das gleiche galt für das hymnenhafte Radio Ga Ga inklusive des Videos, das - unbewusst oder nicht - Parallelen zwischen Grandiosität von Stadionrockkonzerten und Versammlungen im Dritten Reich zog. Die Bandmitglieder gingen ins Steuerexil. Sie veröffentlichten eine Single namens Fat Bottomed Girls/Bicycle Race, deren zugehöriges Video kaum irgendwelche Anspielungen des Songs unerschlossen lässt. Als Queen acht Konzerte in Sun City, Botswana, gab - einer ihrer wenigen schlechten PR-Ideen - und daraufhin auf die kulturelle schwarze Liste der Vereinten Nationen kam, wurde sie zur Rockband, die von der Pop-Presse und der Linkern gleichermaßen gehasst wurde. Unberührt von Vorwürfen gegen Schwulst, eklatanten Sexismus und politischer Verantwortungslosigkeit machten sie ganz einfach immer weiter.

Die Musikpresse brachte unzählige Geschichten über Queens - und Freddies - Exzesse in den 80er Jahren. Wir wurden nie zu Queens Albumveröffentlichungen oder Parties eingeladen - Freddie hasste die Musikpresse im allgemeinen und die Zeitschrift NME, für die ich damals arbeitete, im besonderen, seitdem ein Artikel mit der Überschrift "Ist dieser Mann ein Trottel" über ihn veröffentlicht wurde. Aber wir hörten trotzdem alle Geschichten - von champagner-servierenden Oben-Ohne- (und sogar Unten-Ohne-)Kellnerinnen, von lesbischen Doppelakten zur Unterhaltung des engsten Freundeskreises, von Transvestiten, Drag-Queens und Liliputanern mit kahlgeschorenen Köpfen, von denen feinstes kolumbianisches Kokain geschnieft wurde. (Obwohl diese Geschichte von allen lebhaft bestritten wird, ist sie zusammen mit anderen immer wieder publizierten Ausschweifungen der Stones und Led Zeppelin ins Reich der Rock-and-Roll-Anekdoten eingegangen.) Diana Mosley, die eine Zeitlang als Stylistin für Queen arbeitete, bekräftigte: "Queen wusste wirklich, wie man eine Party gibt." 1978 feierte die Band die Herausgabe ihres Jazz-Albums mit einem ganznächtlichen Baccanal in New Orleans, mit der Crème-de-la-Crème der Stripper und Transvestiten der Stadt, und Merkwürdigkeiten aller Art, wie z.B. sexuelle Schlangenmenschen und einem Typen, der unter einem Haufen gehackter Leber umhertobte! "Es war absichtlich exzessiv", erinnerte sich Brian May Jahre später, "zum Teil zu unserem eigenen Vergnügen, zum Teil für unsere Freunde... und zum Teil..." (und man hat das Gefühl, dass er hier die Wahrheit sagt) "... einfach nur so aus Jux."

Und dennoch wuchs und mutierte Queen immer weiter und eroberte kommerziell alles, was vor ihr lag. Rock in Rio 1985, Live Aid später im selben Jahr, und Knebworth 1986 wurden zu den drei Live-Shows, die ihre außergewöhnliche und uneinnehmbare Position als größte Show-Nummer der 80er Jahre verdeutlichten. Bei Rock in Rio kam praktisch die ganze Stadt zum Stillstand; mit Live Aid eroberten sie mit einem siebzehnminütigen, nahtlosen Hit-Medley, der dem Rest der Weltelite der Popmusik die Show stahl, buchstäblich die Welt; Knebworth war ihr letztes Live-Konzert, eine spektakuläre Heimkehr vor einer viertel Million Menschen auf einer sage-und-schreibe sechshundert Quadratmeter großen Bühne.

Manchmal jedoch stolperte Queen auch auf dem Weg. Vor Live Aid, auf LPs wie Jazz aus dem Jahr 1978 und Hot Space aus dem Jahr 1982 schienen sie verloren, wie eine Band, die nur pro forma und mechanisch spielt. Während der Aufzeichnung von The Game in München 1980 trugen sie erbitterte Kämpfe aus - über der Band und sogar über Tantiemen. "Wir haben alle mehr als einmal versucht, aus der Band auszusteigen", gab Brian May später zu. "Doch dann lief es immer darauf hinaus, dass die Band größer war als irgend ein Einzelner von uns. Sie war", fügte er fast reuevoll hinzu, "dauerhafter als die meisten unserer Ehen!" Im Grunde genommen war die Motivation, die die Bandmitglieder so lange genährt hatte, verflogen. Sie hatten erreicht, was sie sich vorgenommen hatten und fühlten sich nun verbraucht und antriebslos. Ihr Erfolg, ihre Größe bedeuteten nichts mehr, sie waren blasé geworden. Live Aid jedoch änderte all das. "Sie waren absolut die beste Band des Tages", begeisterte sich der Veranstalter, Bob Geldof, "Sie spielten am besten, hatten den besten Sound, nutzten ihre Zeit optimal. Sie hatten die Idee voll verstanden - das Konzert als weltweiter Musikautomat. Sie haben einfach einen Hit nach dem anderen hingelegt. Es war die perfekte Bühne für Freddie: Die ganze Welt."

Und an diesem Tag im Juli 1985 war Freddie Mercury in der Tat die Hauptperson, das Kernstück, der große Entertainer. Selbst ohne seine Kulissen, seine üppigen Bühnendesigns und seine extravaganten Kostüme strahlte Freddie Mercury heller als der Rest. (Sein Auftritt bei Live Aid trug mit dazu bei, dass er zusammen mit Persönlichkeiten wie Charlie Chaplin offiziell zum Milleniumsymbol der britischen Post gewählt wurde. Freddie Mercurys Bild erschien also auf einer Briefmarke, die vom Popkünstler Peter Blake entworfen worden war - dem Mann, der das berühmteste LP-Cover aller Zeiten geschaffen hatte, Seargant Peppers von den Beatles. "Außer Live Aid war ich noch nie auf einem Queen-Konzert gewesen", sagt Blake, "aber ich habe die enorme Wechselwirkung zwischen der Gruppe und dem Publikum gespürt, und genau das wollte ich einfangen. Die obere Hälfte der Briefmarke stellt die Momentaufnahme einer riesigen Konzertleinwand dar, und der untere Teil soll denselben Moment in der Live-Darbietung ausdrücken. Diesen facettenreichen Aspekt wollte ich einfangen. Ich habe versucht, den Geist von Live Aid einzufangen, wo meiner Meinung nach Queens Karriere wieder neu gegründet wurde." Übrigens ist Roger Taylor, der direkt hinter Freddie am Schlagzeug zu sehen ist, außer Mitgliedern des Königshauses der erste lebende Engländer, der auf einer Briefmarke abgebildet ist.)


I WANT TO BREAK FREE

Damals waren Queen ganz einfach die Größten. Die Größten, mit der meisten Bravur, die bewusst und absichtlich Grellen, die Rockband als reines Spektakel, pure Unterhaltung. Und doch war auch eine Portion Subversion dabei. Manchmal war diese Subversion unbewusst - so entwickelte sich die Bassnummer in Another One Bites The Dust völlig außerhalb der Kontrolle der Band weiter und wurde in solchem Maße gesampelt, dass sie heute zu den musikalischen Kernmotiven zählt, die zur Entstehung eines völlig neuen Genre, Hip-Hop, geführt haben. Auch We Are The Champions und We Will Rock You entfernten sich Lichtjahre von ihrer ursprünglichen Bedeutung: We Are The Champions ist nicht nur zur Stadionrock-Hymne geworden, sondern auch zu einem der dauerhaftesten Fußballsongs; We Will Rock You wurde auf ähnliche Weise von amerikanischen Baseball- und Eishockeyfanatikern übernommen.

Manchmal war die Subversion wesentlich offensichtlicher, doch nicht weniger kraftvoll. Was seine Sexualität betraf, vollführte Freddie einen Seiltanz zwischen völliger Diskretion und totalem Exhibitionismus. Zwar gab er nie öffentlich zu, homosexuell zu sein, doch brachte er diese Tatsache durch seine Videos, seine verschiedenen Persönlichkeiten, sein projiziertes Ego so deutlich zum Ausdruck, dass man schon taub, blind oder gänzlich weltfremd sein musste, um seine Ausrichtung nicht zu erraten. Das plötzliche Erscheinen des Schnurrbarts, der schwule Klon-Look, das an die Village People erinnernde Macho-Image, sagten alle: "Schaut mich an! Ich bin schwul!" Er hätte ebenso gut ein großes Schild mit diesen Worten in Leuchtbuchstaben um den Hals hängen können.

"Freddie hat homosexuell gelebt", sagt seine einstige Stylistin Diana Mosley. "Er brauchte es nicht an die große Glocke zu hängen oder öffentlich bekannt geben. Er hatte diese gewisse, homosexuelle Extravaganz, aber er sah sich nicht als Galleonsfigur. Er wollte nicht öffentlich sein." Anscheinend waren viele seiner Fans anderer Meinung. Oder sie dachten einfach nicht darüber nach. Miranda Sawyer, Autorin und Popjournalistin für The Face und The Observer, spricht für viele, wenn sie sagt: "Ich bin mit der Musik von Queen aufgewachsen und habe diesen unglaublichen Typen auf Video gesehen, aber ich bin nie auf die Idee gekommen, dass er schwul sein könnte. Er war einfach überlebensgroß auf eine Weise, in der echte Stars das nun mal sind. Für mich war er einfach ein irrer Sänger, der sich gerne ausgefallen anzog. Das ist die Macht von Pop-Fanatikertum - es kann blind für das Offensichtliche machen.

Der Höhepunkt von Freddies ungeheuerlicher Extravaganz, zumindest öffentlich, ist und bleibt das Video von I Want To Break Free, einem Song aus Queens dreizehntem Album, The Works, das 1984 herauskam. Dies war der Augenblick, an dem ich - ein snobistischer Rockkritiker, der Queen bis dahin als groß, doch bedeutungslos, als einfache Irrelevanz im Showbusiness, abgetan hatte - plötzlich begann, die Band in einem neuen Licht zu sehen. Eine Band, die ich mich nach besten Kräften bemüht hatte zu ignorieren, seit Bohemian Rhapsody 1975 in mein Pop-Bewusstsein vorgedrungen war. Genauer gesagt: Ich begann Freddie Mercury in einem neuen Licht zu sehen.

I Want To Break Free entstand in einer Zeit, in der die Pop-Videoform in einigen Fällen wichtiger geworden war als die Musik, für die das Video eigentlich werben sollte. Auch die Kosten waren entsprechend in die Höhe geschossen: Duran Duran, Michael Jackson und andere drehten Videos, mit denen man kleine Kinofilme hätte finanzieren können. Auch Queen war natürlich für diese Art von Extravaganz mehr als offen. Für ihre vorangehende Single, Radio Ga Ga, eine Komposition von Roger Taylor, die sich über die zunehmende Fadheit von Pop-Radiosendern lustig macht, wurden 500 Statisten angeheuert, die alle silberne Overalls trugen und im Takt zum Chor klatschten. Es war ihr bislang teuerstes Video gewesen und es hatte funktioniert: Die Single wurde in 19 Ländern in aller Welt die Nummer 1. Vor diesem Hintergrund und angesichts der Tatsache, dass der band jetzt auch der Durchbruch im amerikanischen Mittelwesten gelungen war - ein wichtiger Markt, der seit der Blütezeit von Led Zeppelins alles-erobernden Cock-Rock diversen britischen Invasionen getrotzt hatte - war I Want To Break Free ausgesprochen mutig, um nicht zu sagen selbstmörderisch. John Deacon hatte Freddie diesen Song, ebenso wie Another One Bites The Dust, auf den Leib geschrieben, und Freddie nutzte die Gelegenheit, sich erneut auf Video zur Schau zu stellen, doch diesmal auf denkbar krasseste Art und Weise - selbst nach seinen haarsträubenden Standards. 

Das erste Bild zeigt einen behaarten, bereiften Arm, der einen alten Staubsauger aus den 50er Jahren vor sich herschiebt. Dann erscheint ein perücketragender Freddie in einem rosafarbenen ärmellosen Pulli mit einem unglaublichen Paar falscher Brüste, einem Vinyl-Minirock, Strümpfen, Strapsen und Hackenschuhen. Er saugt um John Deacon herum, der in Damenkleidung auf einem Sofa sitzt und den Daily Mirror liest, und der für alle Welt wie die komische alte Dame aussieht, die Terry Jones früher in den Transvestiten-Sketchen von Monty-Python spielte. In einem vorstädtischen Wohnzimmer, das bis zum Rand mit Kitschobjekten gefüllt ist, einschließlich dreier Porzellanenten im Formationsflug, saugt Freddie Staub und schmollt und singt davon, wie er (sie) ausbrechen möchte ("I want to break free"). Roger Taylor posiert dabei am Herd als frühreifes Schulmädchen, und Brian May trippelt im rosa Nachthemd zum Kühlschrank. Ich kann mich noch genau an meine Reaktion erinnern, als ich das Video zum ersten Mal sah: Zuerst der Schock - was, verdammt noch mal, läuft denn hier ab? - dann das Entzücken, dann die Bewunderung, ob der schieren Frechheit und Komik des Ganzen. Eine Komik, die Freddie offensichtlich Riesenspaß machte - das vertrauliche Augenzwinkern in die Kamera, als er die ersten Zeilen singt, dann das hoheitsvolle Zurückwerfen des Kopfes, um eine verirrte Locke von der Stirn zu verbannen. Köstlich.

Dann, gerade wenn man denkt, tuntenhafter ginge es einfach nicht mehr, öffnet Freddie die Wohnzimmertür und enthüllt einen ganzen anderen Planeten Schwul! Das Vorstadthäuschen weicht einem Bühnenbild, das der englischen Nationaloper alle Ehre machen würde: Freddie, im schwarzweißen Catsuit, huldigt Nijinksky in Debussys L'Apres-Midi d'un Faune. Er bläst auf einem Horn, rollt über die bäuchlings ausgestreckten Körper der Statisten und hüpft von einem Felsen in ihre anbetend ausgestreckten Arme. Verrückt! Unglaublich komisch! Bewusst, brillant und total maniriert-schwul. Freddie Mercury pur.

Den Leuten in den Wohnzimmern des Mittelwestens jedoch ging dieser Sprung in Ironie und Schwulheit zu weit - zwei Konzepte, die dem transatlantischen Rock-and-Roll-Arbeiterpublikum immer noch relativ fremd sind. "Ich war gerade dort, als das Video zu I Want To Break Free herauskam," erinnerte sich Brian May Jahre später, "Es löste universellen Hass und Schock und Horror aus. Jeder sagte: 'Sie haben sich als Frauen verkleidet! Wie konnten sie das tun?' So etwas war in der Rock-and-Roll-Szene einfach nicht üblich und wurde nicht akzeptiert - Männer in Frauenklamotten auf Video, also bitte! Es war wirklich ein großer Schock. Ich glaube, dass dem amerikanischen Mittelwesten plötzlich klar wurde, dass Freddie tatsächlich schwul sein könnte. Das war schockierend. Das war nicht erlaubt. Eigentlich ein bisschen beängstigend..."

Obwohl diese Reaktion heutzutage kaum zu glauben ist, war sie leider nur allzu wahr. Im Zuge dieses brillanten, bahnbrechenden und witzigen Videos verlor Queen mehr oder weniger ihr amerikanisches Massenpublikum. "Das Problem an Queen", so der amerikanische Rockproduzent Arthur Baker, der mit New Order, Ash und vielen anderen britischen Gruppen zusammengearbeitet hat, "ist, dass die Band ihr Publikum stets verwirrt hat - vielleicht allzu sehr für das amerikanische Herzland. Als ich in den 70er Jahren in Boston aufwuchs, war Queen die irre Hardrockband, die man einfach mögen musste. Eine Zeitlang haben sie sogar Led Zeppelin verdrängt. Niemand hat jedoch kapiert, dass Freddie schwul war und dass seine Songs eine zweite, ganz andere Bedeutungsebene hatten. Sogar der Name "Queen" hat da nichts genützt. Es ist den Leuten einfach niemals in den Sinn gekommen. Oder die Band hat einfach alle bewusst getäuscht. Bis heute weiß ich nicht, welche Version ich glauben soll. Ich weiß nur dass Queen mich auf Zack gehalten hat: Ich hatte sie als Hardrock-Band eingeordnet, dann wurde Another One Bites The Dust zur meistgespielten Platte der R&B-Sender - ein riesiger schwarzer Radiohit. Dann sah ich das Video zu I Want To Break Free und, meine Güte, ich habe mich vor Lachen auf dem Boden gerollt! Es war das witzigsten, exaltierteste Popvideo aller Zeiten, aber außerhalb New Yorks und vielleicht der Westküste haben die Amerikaner es einfach nicht kapiert. Kerle in Frauenkleidung! Ein schwuler Rocksänger? Ehrlich - vergiss es!" Wie dem auch sei - wie Baker bestätigt, gibt es im zeitgenössischen Pop eigentlich nichts Vergleichbares. Wahrscheinlich weil niemand sonst die Fantasie, den Humor, die Vision und den Nerv hatte.

 

I WANT IT ALL

Der Begriff "mercurial" bedeutet zu Deutsch "impulsiv, sprunghaft, schwungvoll". Es wäre nicht übertrieben zusagen, dass Freddie Mercury, der Mann ebenso wie das Pop-Chamäleon, seinem angenommenen Namen alle Ehre machte. Er lebte ein kompliziertes Leben, dass durch scheinbare Widersprüche gekennzeichnet war. Obwohl er Großbritanniens erster indischer Popstar war, hielt er seine Abstammung aus Sansibar und Indien auf fast paranoide Weise geheim - sein erster Publizist kannte noch nicht einmal seinen wirklichen Namen. Betrachtet man Farrokh Bulsara auf einigen Fotos aus seiner frühen Jugend, sieht man unschwer, wo seine Unsicherheit und sein damit verbundenes Bedürfnis, akzeptiert und geliebt zu werden, herrühren (Freudsche Psychoanalysten würden sagen, dass die - und nicht Ehrgeiz - der ausschlaggebende Faktor beim Willen zum Erfolg ist.) Selbst als Gatsby-Held gekleidet auf einem Gartenstuhl sitzend sieht er ungelenk und etwas unbehaglich aus. Seine vorstehenden Zähne, die ihm in der St. Peter's School den Kosenamen "Bucky" einbrachten, waren eine lebenslange Quelle des Unbehagens, doch fürchtete er, dass ein kosmetischer Eingriff das Timbre seiner Gesangsstimme verändern könnte.

In einer Welt, in der England und Amerika seit Presley die vorherrschenden, physischen Rollenmodelle für den Rock-and-Roll-Look geliefert hatten, muss ihm sein ethnisches und kulturelles Anderssein als Last erschienen sein - eine Last, über die er vielleicht nie ganz hinweggekommen ist. Ein derartig tiefverwurzeltes Gefühl des Andersseins jedoch ist die Grundlage des Star-Seins. Und weil Pop eine Arena ist, die Anderssein ermutigt und feiert, weil Außenseiter hier nicht nur ein Zuhause, sondern ein riesiges, empathisches Publikum finden können, ist das Leben in der Pop-Welt fast immer ein schwieriges, widersprüchliches Leben. In all seinen Widersprüchen, in seinem unerschütterlichen Glauben ans sich selbst und seiner daraus folgenden Unsicherheit, war Freddie Mercury nicht einzigartig. Und doch war das Leben, besonders nach seinem anfänglichen Erfolg, einzigartig und kompliziert. Seine erste große und dauerhafte romantische Beziehung war mit einer Frau, Mary Austin. Sie lebten als Freund und Freundin zusammen, er als aufmerksamkeitserregender Extrovertierter, sie als ruhige, nachdenkliche Introvertierte. Eine gegensätzlichere andere Hälfte für Freddie als Mary Austin ist kaum vorstellbar. Und doch war ihre Freundschaft, ihre Liebe, von Dauer.

Mary lernte Freddie kennen, bevor er berühmt war, als Queen sich noch in der embryonischen Phase befand und die Bandmitglieder zusammen probten und versuchten, die Anfänge eines Sounds zusammenzuklempnern. Zuerst sah sie ihn als eine "Kaleidoskop-Persönlichkeit", als jemand, der "mir die Augen für viel Farbe geöffnet hat... ersah die Ironie des Lebens, er suchte nach der humorvollen Seite. Die dunklere Seite mochte er nicht". Später, als er berühmter wurde und seine einst unterdrückte Sexualität aufblühte, endete ihre Liebesbeziehung, so Freddies eigenen Worte, "in Tränen". Für die beiden spricht, dass sie enge Freunde blieben - so eng, wie dies zwischen Mann und Frau ohne ein körperliches Element in einer Beziehung nur möglich ist. "Eine tiefe Bindung ist daraus (unserer Liebesbeziehung) entstanden und niemand kann uns das nehmen. Es ist unerreichbar," gab er einmal zu, und fügte hinzu, als hätten wir die Botschaft nicht ganz verstanden, "Alle meine Liebhaber fragten mich, warum sie Mary nicht ersetzen konnten, aber das ist einfach nicht möglich".

Wir haben es hier mit höchst komplizierten Verhältnissen zu tun. Ein homosexueller Mann, der zugibt, "mehr Liebhaber gehabt zu haben als Liz Taylor", hält an einem zutiefst heterosexuellen Ideal von immerwährender romantischer Liebe fest. Vielleicht wollte Freddie in der Liebe ebenso wie im Leben einfach alles ("I want it all"), und mit Mary Austin kam er der romantischen Idealvorstellung des perfekten Paares, die trotz seiner Promiskuität offensichtlich anzog, so nahe wie er eben konnte. Der Fernsehsprecher und Kulturkommentator Waldemar Januszczak schrieb in einem Artikel über Freddie in der Sunday Times im November 1996, der anlässlich einer Fotoausstellung über Freddies Leben in der Albert Hall erschien: "Obwohl er sich privat ungeheuer schwul gab, ist Freddie in der Öffentlichkeit stets recht verschämt mit seiner Sexualität umgegangen. nein, nicht verschämt, irreführend. Vor seinen Eltern hielt er sie zweifellos verborgen. Auf allen Fotos, die ich von den vielen Bulsara-Familientreffen gesehen habe, an denen er teilgenommen hat, ist er in Begleitung von Mary Austin, der ehemaligen Boutique-Eigentümerin, die er sehr gern hatte, mit der er einst gelebt hatte und der er den Großteil seines Nachlasses vermachte. Jim Hutton hingegen, sein Liebhaber, mit dem er zusammenlebte und der ihn während der schlimmsten Jahre seiner Krankheit gepflegt hat, ist nirgends zu sehen."

Nachdem er zumindest sexuell mit Mary Austin gebrochen hatte und sein Erfolg wuchs, umgab er sich mit einem Gefolge aus echten Freunden und Bewunderern, sowie Möchte-Gern-Freiern und Mitläufern. Dieses Gefolge wurde als "Hof des Königs", "Court of King" bekannt - obwohl es ja eigentlich "Court of Queen" hätte heißen müssen. Er gab extravagante Partys in München, New York und vor allem in Garden Lodge, seinem Haus in London. Eine Zeitlang war er, auf der Bühne wie privat, Mittelpunkt aller Aufmerksamkeit - eine lebendige, atmende, überlebensgroße Illustration des Begriffs "party animal". Dieses Leben zehrte natürlich an ihm, emotional wie körperlich. "Meine Affären sind nie dauerhaft", sagte er einmal mit Bedauern, "Ich muss ein destruktives Element in mir haben, denn ich versuche wirklich hart, Beziehungen aufzubauen, aber irgendwie vertreibe ich die Leute... Liebe ist Russisches Roulette für mich. Niemand liebt mein wahres Ich, alle sind nur in meine Berühmtheit und meinen Ruhm verliebt".

Liebe ist Russisches Roulette für mich. Junge! Eine Zeitlang spielte er damals, wie er mehr als einmal selbst zugegeben hat, buchstäblich Russisches Roulette in den wilden Schwulen-Clubs von New York und München - nicht in London, wo er einfach zu bekannt war, um nicht ständig die Aufmerksamkeit wohlmeinender Fans und nicht so wohlmeinender Paparazzi auf sich zu ziehen. Bereits 1976, auf der zweiten Queen-Amerikatournee, erzählte er dem Zeitungsreporter Rock Sky: "Exzess ist Teil meiner Natur, Langweiligkeit ist wie eine Krankheit für mich. Ich brauche Gefahr und Spannung... Ich bin ein sehr sexuell Mensch... Ich umgebe mich gern mit merkwürdigen und interessanten Menschen, weil sie mir das Gefühl geben, intensiver zu leben. Extrem konventionelle Menschen langweilen mich zu Tode. Ich liebe ausgeflippte Leute um mich."

Zu diesem Zweck tauchte er tief in eine unterirdische Welt ab, in der Gelegenheitssex keine Option, sondern Voraussetzung war. Beim Sex ging er, wie in fast allen anderen Bereichen, bewusst Risiken ein. Aber wie wir heute wissen, war die Gefahr in den 80er Jahren extrem groß - bei diesem Spiel ging es buchstäblich um Leben und Tod. "Er ging dorthin, wo selbst Engel sich fürchteten," erzählte Rick Sky Freddies Biografin, Lesley-Ann Jones, "Er war einer dieser kultivierten Menschen, die sich gern unter das gemeine Volk mischen. Sine perfekte Fantasie wäre es, einen Mietjungen in die Oper auszuführen." 1987, als er nach einer wilden, hedonistischen Zeit in München mehr oder weniger zur Ruhe gekommen war und wieder in London lebte, führte er sich stattdessen selbst in die Oper und kam mit einer Diva wieder nach Hause. Dies war das letzt und unwahrscheinlichste aller großen Projekte, die Freddie Mercury in seinem relativ kurzen, vollen, ereignisreichen Leben unternommen hat.

 

A NIGHT AT THE OPERA

"Die Opernkönigin muss eine einzige Diva wählen. Die anderen Divas können bewundert, genossen, sogar geliebt werden. Aber nur eine Diva kann im Herzen der Opernkönigin regieren, nur eine Diva kann die Macht haben, das Leben eines Zuhörers zu beschreiben, wie ein Kompass einen Kreis beschriebt."
Wayne Koestenbaum: The Queen's Throat - Opera, Homosexuality and the Mystery of Desire (Penguin Books)

Die Opernkönigin war in diesem Fall Freddie Mercury; die Diva Montserrat Caballé. Es wäre zwar poetisch zu sagen, dass sie einander gefunden haben, aber es war eher so, dass Freddie sie gefunden hat. Sie hatte bis zu diesem Tag noch nie von ihm gehört. In seinem außergewöhnlichen Buch 'The Queen's Throat' - wie Freddie diesen Titel geliebt hätte! - spricht Wayne Koestenbaum von dem Reiz, den die oper auf jemanden ausübt, der mit Rockmusik groß geworden ist. Rockmusik, die selbst in ihren ehrgeizigsten, bombastischsten, ja "Queen-artigsten" Phasen dem Bombast von Opern wie Aida oder Carmen nicht das Wasser reichen kann. "Die Lautstärke, Höhe, Tiefe, Üppigkeit und der Exzess von Oper", schreibt er, "enthüllen im Kontrast, wie klein deine Gesten gewesen sind, wie ärmlich deine Körperlichkeit war..."

Dies ist vermutlich der Grund, warum die heutige Diva in Person, Montserrat Caballé, einer der wenigen Menschen - wenn nicht der einzige Mensch überhaupt - gewesen ist, die Freddie Mercury die Sprache verschlagen haben. Er entdeckte sie im Mai 1983 während einer Produktion von Verdis 'Un Ballo In Maschero' (Ein Maskenball), auf der er zusammen mit seinem Assistenten Peter "Phoebe" Freestone anwesend war, um dort eigentlich den berühmtesten lebenden Tenor, Luciano Pavarotti, zu sehen und zu hören. "Pavarotti kam auf die Bühne und sang eine Arie im ersten Akt, und Freddie fand ihn hervorragend", sagt Freestone in Lesley-Ann Jones Freddie-Biografie namens 'Freddie Mercury'. "Im zweiten Akt kam dann die Primadonna auf die Bühne, und das war Montserrat Caballé... Sie begann zu singen und das War's. Freddie staunte mit offenem Mund. Von da an wollte er nur noch sie..."

Das Album, das die beiden schließlich gemeinsam aufnahmen, ist für mich das musikalische Kernstück, der eine, vollkommene Triumph dieser drei aufwendig verpackten Solo-LPs. Auf dieser Platte erwacht Freddies Stimme in einer Art zum Leben, die auf keinem seiner anderen Solowerke zu hören ist. Seine Ungeduld mit den Einschränkungen von Rock und Pop, die Zeit von Zeit während seiner gesamtem Karriere erkennbar ist - beginnend mit dem Werk Bohemian Rhapsody, selbst eine Mini-Rockoper in drei Teilen, bei dem er die Grenzen der Form weit gestreckt hat - findet jetzt ein Ventil in der Gesellschaft einer wahren Sängerin. (Bezeichnenderweise war das erste, was er sagte, als er ihre fast geisterhafte Stimme hörte: "Das ist eine echte Sängerin".)

Was mir am Zusammenkommen von Freddie Mercury und Montserrat Caballé so gefällt, ist in gewisser Weise dasselbe, was ich auch an Bohemian Rhapsody und dem Video zu I Want To Break Free liebe - die Ambition, den Nerv, die Scher-dich-zum-Teufel-Einstellung des Mannes. Die Idee eines Popsängers und einer Opernsängerin im Duett hat etwas Eigenartiges, etwas, das eigentlich auf eine No-Win-Situation, eine Distanzierung oder einen Kompromiss zwischen hoher und niedriger Kultur hindeutet, aus dem keiner von beiden siegreich - oder würdevoll - hervorgehen kann. Dies war jedoch nicht der Fall. Freddie verstand Montserrat, und sie verstand Freddie, sie waren von Anfang ungemein gerne zusammen, blieben bis früh morgens auf und sangen gemeinsam Show-, Pop- und Opernmelodien am Klavier. Sie waren Divas unter sich, in Harmonie miteinander.

Schließlich fanden sie eine Bühne, die groß genug für beide war: Sie traten in Barcelona mit dem Operhausorchester und Chor der Stadt auf. Zum Publikum zählten auch die Königin und der König von Spanien. Anlass war das 'La Nit' Open-Air-Festival, auf dem die Stadt offiziell die Olympische Flagge aus Seoul erhielt. (Aufgrund von Freddies ständig wiederauftretenden Problemen mit Knoten an den Stimmbändern, des Sängers Alptraum, konnten die beiden nicht live singen, was jedoch kaum eine Rolle spielte - was zählte, was das Gefühl des Besonderen, des Symbolischen).

In vieler Weise stellten die Duette mit Montserrat Caballé auf dem Barcelona-Album Freddie Mercurys letzten Triumph dar. Natürlich gab es danach noch eine Soloalbum und weitere Queen-Hits, aber diese Zusammenarbeit war mehr als alles andere ein Triumph des Willen. Er sah eine Chance, sich außerhalb der Rockmusik neu zu erfinden und wagte den Sprung. Und welch ein Sprung - Überzeugung, Selbstvertrauen, Glauben an sich selbst, alles war mit im Spiel. Wenn wir jetzt die anderen, hier zusammengetragenen Solowerke hören, gewinnen wir einen kleinen Einblick in eine weitere Facette von Freddie Mercury - als jemand, der zwar auf seine einzigartigen Fähigkeiten vertraut, doch ohne die anderen "Drei" um ihn herum seltsam verloren scheint. Emotional und musikalisch sind Mr. Bad Guy, das kommerziell kein Erfolg war, und The Great Pretender (die US-Version von The Freddie Mercury Album mit wesentlich angemessenerem Titel) äußerst reichhaltig und bilden einen weiteren Puzzlestein im Bild von Freddie Mercury als Entertainer und Chamäleon, der mit großer Leichtigkeit immer wieder andere musikalische Verkleidungen annimmt. Man hat den Eindruck eines Mannes, der versucht, seine Fähigkeiten darzubieten, ohne sie jedoch bis zum Äußersten zu strecken: Es ist fast, als würde er vorsichtig die Lage für eine künftige Solokarriere sondieren. Wer weiß?

Auf persönlicher Ebene ist der Freddie Mercury, der auf Barcelona zu hören ist, eine aufregendere, um nicht zu sagen, faszinierendere Aussicht. Man hört buchstäblich, wie aufgeregt er ist, wie sehr ihn die Neuheit des Ganzen, die Herausforderung, inspiriert und stimuliert. Kurz, er ist in seinem kreativen Element. Das allein ist schon des Preis wert. Es ist ebenfalls ein passender Abschied von einem Leben gegen den Strich, gegen die Erwartungen, gegen Beschränkungen - auf kreativer ebenso wie auf gesellschaftlicher Ebene.

 

THE SHOW MUST GO ON

"Es war wirklich eine sehr traurige Zeit, aber Freddie ist nicht depressiv geworden. Er hatte sich damit abgefunden, dass er sterben würde. Er akzeptierte es; er sagte, dass wir schließlich alle irgendwann sterben müssen. Und überhaupt - können Sie sich einen alten Freddie Mercury vorstellen?"
Zitat von Peter Freestone aus Freddie Mercury von Lesley-Ann Jones

1987, ein Jahr vor dem Barcelona-Album, wurde Freddie Mercury offiziell als HIV-positiv diagnostiziert. Seine letzten Jahre verbrachte er in London und Montreux im Kreis guter Freunde, zu denen seine persönlichen Assistenten Peter Freestone und Joe Fanelli gehörten, sein Manager Jim Beach, und die zweite große Liebe seines Lebens, Jim Hutton. "Er akzeptierte das Unvermeidliche," erinnert sich Mary Austin, "Ich sah einen Mann, der unglaublich mutig wurde." Er erzählte es jedem seiner engsten Freunde und der Band, die alle seit einiger Zeit das Schlimmste befürchtet hatten, und wies jeden von ihnen an, nicht wieder über die Sache zu sprechen. "Er akzeptierte," sagt Peter 'Phoebe' Freestone, "dass er Pech gehabt hatte. Er bereute nichts. Außer vielleicht, dass er noch so viel Musik in sich hatte." Deshalb setzt er die Aufnahmen mit Queen so lange fort wie er konnte. Als die anderen Bandmitglieder offiziell von seiner Krankheit erfuhren, scharten sie sich ihm ihn "wie eine schützende Muschel", wie Brian May sagt. Queen machte zwei weitere, von den Kritikern gefeierte Alben: The Miracle 1989 und Innuendo 1991, wobei der Sänger bis zum Ende auf Qualitätsstandards bestand, die nunmehr körperlich ausgesprochen anstrengend für ihn geworden waren.

In seinem vorletzten Video, in dem er wie ein umnachteter Lord Byron zurecht gemacht ist, sang Freddie I'm Going Slightly Mad. Der Mann hat wirklich Stil und ungeheure Attitüde. Im letzten Queen-Video, Days of Our Lives, wirkt er zerbrechlich und ätherisch, als könne er jederzeit vom Wind fortgetragen werden. Verschwunden sind die extravaganten Gesten, das ständige Sichbewegen - stattdessen strahlt er jetzt eine zerbrechliche, stille Würde aus. Seine letzten Worte auf Film waren "I still love you", die er seinem bewundernden Publikum zuhaucht.

Eines der letzten typisch extravaganten Dinge, die Freddie Mercury tat, war der Kauf eines Apartments in Montreux, unweit des Aufnahmestudios von Queen. Er stattete es in großem Stil aus, obwohl er wusste, dass er nie dort leben würde. Eine letzte Trotzhandlung gegen seine immer realer werdende Sterblichkeit. Ebenso bestand er bis zum Ende darauf, in Restaurants zu essen und verbrachte oft tagelang im Bett, damit er Kraft sammeln konnte, um seine Freunde später in einem exklusiven Restaurant zu unterhalten. Purer Stil, pure Klasse. Inmitten der Postkartenidylle von Montreux, die er einst extrem langweilig gefunden hätte, schien er Frieden und Einsamkeit zu finden - genau das, wovor er sein Leben lang weggelaufen war. Er konnte tagelang auf den See hinausblicken und seinen Träumen nachhängen. Er schrieb zwei letzte, traurige Songs: A Winter's Tale - der Titel sagt alles - und, zusammen mit Brian May, das elliptische, biografische Mother Love, das von der Rückkehr in den Mutterleib erzählt. Ein Lied über Sicherheit und emotionalen und physischen Trost.

Bei seiner Rückkehr nach London begann er erstmals nach Verlassen des Ealing College of Art wieder zumalen und zu zeichnen. im Bett sitzend zeichnete er seine Katzen, malte abstrakte Aquarelle. Queens vierzigste Single, The Show Must Go On, kam im Oktober 1991 heraus. Bravur pur, Freddie pur, Queen pur. Die B-Seite hieß Keep Yourself Alive. am 23. November wurde eine von Freddie abgesegnete Mitteilung an die Presse herausgegeben, die bestätigte, was viele befürchtet hatten: dass Freddie Mercury Aids hatte. Er starb am folgenden Tag. Um Mitternacht wurde folgende Mitteilung veröffentlicht: "Freddie Mercury ist heute Abend in seinem haus in Kensington, London, friedlich gestorben", hieß es schlicht. "Sein Tod ist infolge einer bronchialen Lungenentzündung eingetreten, die durch Aids ausgelöst wurde."

Auf seiner Einäscherung spielte eine Aufnahme von You've Got A Friend, gesungen von Aretha Franklin. Als der Eichensarg in den Flammen verschwand, sang die aufgezeichnete Stimme von Montserrat Caballé D'Amor sull'ali rosee, die Arie aus Verdis 'Il Trovatore', Freddie Mercurys Lieblingsstück aller Zeiten. Selbst im Tod konnte er noch überraschen.

Made In Heaven, ein Queen-Album, das Digitaltechnologie verwendete, um alle vier Queen-Mitglieder trotz Freddies Abwesenheit noch einmal zu vereinen, war ein passender Epitaph, obwohl es ironischerweise vom Ton und Inhalt her das am wenigsten Queen-artige Album war, das die Gruppe je herausgebracht hatte - würdevoll und nachdenklich, tief empfunden und zärtlich. Die vielen Masken, die das wahre Gesicht von Freddie Mercury verborgen hatten, schienen beim Schreiben und Aufzeichnen dieser letzten, abschiednehmenden Songs gefallen zu sein. "My make-up may be fading but my smile stays on" - "Mein Make-up mag zwar verblassen, aber mein Lächeln bleibt" sang er mutig, und doch wurde hier eine Ehrlichkeit und Verletzlichkeit zur Schau gestellt, die bewegend und anrührend ungewohnt war.

Am 20. April 1992 gaben die anderen drei Queen-Mitglieder ein Freddie-Mercury-Ehrenkonzert im Wembley Stadium, wo eine Fülle von Gastsängern Queens größte Live-Hits vortrugen. George Michael, David Bowie, Annie Lennox, Liza Minelli, Axl Rose und natürlich sein guter Freund Elton John gehörten zur Riege der Stars, und Elizabeth Taylor, die Filmdiva und unermüdliche Aids-Kämpferin, hielt eine Rede zu Freddies Ehren. Doch war sein Fehlen auf der Bühne von Wembley nur allzu spürbar - obwohl jeder Interpret die Hymnen, Liebelieder und Epen mit Kraft und Talent sang, ließ jeder Auftritt ironischerweise den wahren Meister um so mehr vermissen. Niemand, aber auch wirklich niemand, singt die alten Queen-Titel besser als Freddie Mercury. Im selben Jahr wurde auch der Mercury Phoenix Trust gegründet, der weiterhin Geld für Aids-Zwecke sammelt. 1991 wurde Bohemian Rhapsody neu veröffentlicht. Die Platte schoss erneut direkt auf Nummer Eins und brachte über eine Million Pfund für den Terence Higgins' Trust ein. Und in einer Geste, die Freddie geliebt hätte, sang Montserrat Caballé ihre Version seines originellen Opern-Popsoongs. Freddie lebt weiter, auf mehr als eine Weise.

Niemand weiß, wo Freddie Mercurys Asche verstreut ist, außer jenen, die ihm am nächsten standen. Es gibt kein Denkmal für Freddie Mercury in England, außer seine Musik. An seinem Geburtstag und Todestag versammeln sich Fans in Garden Lodge, wo heute Mary Austin lebt, umgeben von Freddies kultiviertem Vermächtnis - die Kunstwerke und -objekte, die Empire-Möbel, all die teuren und ästhetischen Fragmente, die er als Barriere gegen seinen endgültigen Abschied angehäuft hatte. Jedes Jahr liest Mary eine kurze Mitteilung für die Fans, ein Erinnerungsgebet. Selbst die Art seines Todes und die fortdauernde Trauer erinnert mich nicht an einen bloßen Popstar, sondern an Valentino oder die Callas. Freddie würde diese Vergleiche sicherlich billigen.

Billigen würde er sicher auch die 2,50 m hohe Statue, die ihn in voller Bühnenpose zeigt und von einem Sockel am Ufer von Montreux über den Genfer See blickt. Erschafften wurde die Statue von der Bildhauerin Irena Sedlecka, eine tschechische Monumentalistin, die am besten für die heldenhaften Reliefs am Eingang des Lenin-Museums bekannt ist. Mit erhobenen Fäusten und angespannten Bizeps steht Freddie in Stadionrock-Pose dem Sonnenuntergang am anderen Seeufer zugewandt, mit dem Rücken zu den Neugierigen und Fans, die an sein Denkmal pilgern. "Wenn ich gewusst hätte, dass er mit dem Rücken zu den Leuten steht", Bemerkte Irena später, "hätte ich mich mehr auf seinen Hintern konzentriert".

 

THE GREAT PRETENDER

Wie ordnen wie also letztlich einen so einzigartigen, so chamäleonhaften Künstler wie Freddie Mercury ein? Zweifellos war er ein Popstar (und, dass sollte nicht vergessen werden, eine Zeitlang auch ein Rockstar); er war ebenfalls ein Entertainer par excellence, eine Diva, ein Risikofreudiger, der jedem die Schau stahl. Aber gleichzeitig war er viel größer und vielschichtiger als irgendeines dieser Etiketten.

In einer Epoche, in der Rockmusik ihre eigene Bedeutung neurotisch ernst nahm und unter den damit einhergehenden Ängsten und Sorgen litt, schuf Freddie Mercury ein öffentliches Image und eine Serie von Persönlichkeiten, die an eine längst vergangene Zeit erinnern, in der Unterhaltung und Flucht vor dem Alltag noch Hand in Hand gingen, in der es bei Unterhaltung im Wesentlichen um Wirklichkeitsflucht ging. "Ich glaube, Queen-Songs sind reine Wirklichkeitsflucht," sagt er im zusammengesetzten Interview, das diesem Paket beiliegt, "genau wie ein guter Film. Danach können sie (das Publikum) nach Hause gehen und sagen 'Das war toll!', und wieder zu ihren Problemen zurückkehren".

Es gibt einen großartigen und immer noch relevanten Hollywood-Film aus dem Jahr 1941 namens 'Sullivan's Travels', geschrieben und unter der Regie von Preston Sturges. Der Filmheld ist ein ungemein erfolgreicher Hollywood-Studiodirektor - der Sullivan aus dem Titel - dessen romantische Komödien allesamt riesige Kassenerfolge gewesen sind. Er will jedoch etwas Sinnvolles tun, etwas künstlerisch und gesellschaftlich Wertvolles, und beginnt somit eine Reise durch Amerika in der Zeit der Depression. Er verkleidet sich als Landstreicher, um Forschung für einen Film mit sozialem Gewissen über das Schicksal des kleinen Mannes zu betreiben. Nach einer Reihe von Abenteuern, u.a. einer irrtümlichen Verhaftung, wird ihm klar, dass der kleine Mann keine sozialen Botschaften oder politische Erziehung will, sondern... Sie haben es erraten... Unterhaltung, Wirklichkeitsflucht.

Freddie Mercury brauchte diese Entdeckungsreise nie zu machen: Jede Faser seines Wesens, jeder Impuls trieb ihn dazu, größer, blendender, dreister zu sein als alle anderen, und sagte ihm, dass pure, unverfälschte Unterhaltung - der Triumph des Schauspiels, der Illusion - ein würdiges und erhebendes Ziel an sich waren. Da er so hundertprozentig dem Konzept von Rockmusik als Unterhaltung verschrieben war (und somit auch dem Konzept von Unterhaltung als Wirklichkeitsflucht), glaubten wir - besonders wir Kritiker - Freddie in- und auswendig zu kennen. Wir dachten, wir hätten ihn auf eine Formel gebracht. Wir sahen ihn - sowie er sich in der Tat selbst gelegentlich sah - als The Great Pretender, der Verkleidungen, Persönlichkeiten und Images anlegte wie gewöhnliche Sterblich ihre Kleidung. Weil er, wie er uns immer und immer wieder gesagt hat, einfach "von Natur aus ein Performer", ein "Extrovertierter" war, gestehen wir ihm kein Körnchen der popkulturellen Bedeutung zu, die wir viel weniger erfolgreichen, aber "ernsthaften" Künstlern zumessen. (Interessanterweise schrieb Kurt Cobain, Sänger der amerikanischen Band Nirvana und letzte große Galionsfigur des angstgebeutelten Rock-and-Roll, in seinem Selbstmordbrief, dass er das Gefühl habe, seinen Fans nicht genug zu bieten und nie ein großer Entertainer "wie Fredie Mercury" sein zu können. Sowohl Beck als auch Sonic Youth, zwei getreue Verfechter des amerikanischen Independent Rock, haben Queen II als einflussreiches Album benannt.)

Da er bewusst den ganzen normalerweise mit Rock-and-Roll einhergehenden Ballast ignorierte - die Angst, die Sorge, das Leiden für die Kunst - haben wir ihn in einer Ecke zu den Akten gelegt, die sich einfach und abwertend "Unterhaltung für die Massen" nennt. (Angesichts dessen, was wir über die großen Entertainer des letzten Jahrhunderts von Chaplin bis Minelli wissen, war diese alles-verzehrende Berufung allerdings alles andere als einfach.) In gewisser Weise ist das vielleicht ganz gut so, da Freddie vermutlich der Letzte gewesen wäre, der diese Art der kulturellen Heiligsprechung gewollt hätte. Sine letzte Anweisung an Jim Beach, seinen Manager, lautete "Mach' was du willst, aber lass' mich nie langweilig erscheinen!"

Und doch wissen wir, dass es ihn verletzt hat, von den Kritikern fertiggemacht und in die Pfanne gehauen zu werden. Den Tiefpunkt bildete der inzwischen berühmt-berüchtigte Artikel in NME mit der Überschrift 'Ist dieser Mann ein Trottel'. "Ich werde von vielen gehasst..." gab er zu. "Ich glaube, ich habe gelernt, damit zu leben. Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass mich die Kritik nicht verletzt, weil jeder verletzlich ist." Wir wissen auch, dass er sich gerächt hat - auf eine Weise, die für die selbsternannten Geschmacksgurus, die sich so überlegen fühlenden Kritikern, die Snobs der Popkultur, schmerzlicher ist als alles andere: Je mehr sie ihn ignorierten, um so größer wurde er. Und je größer er wurde, um so unmöglicher wurde es, ihn zu ignorieren.

Wie bei allen Menschen, die ein relativ kurzes, doch unglaublich reichhaltiges Leben gelebt haben, weiß man nicht recht, wie man Freddie Mercury ins Gesamtbild einordnen soll. Im Sinne der Popkultur war er bei weitem nicht so einflussreich oder vieldeutig wie ernsthaftere Pop-Ikonen wie Dylan, Lennon, Hendrix oder Price - und es wäre falsch, ihn kritisch mit ihnen zu vergleichen. Wie bereits gesagt war seine Ausgangsphilosophie einfach eine andere.

Er wollte nicht versuchen, die Welt durch seine Worte und Musik zu verändern wie Dylan oder Lennon, nicht einmal den Werdegang der Popmusik wie Hendrix oder Prince; er wollte einfach glänzen und betören, uns in seinen Bann schlagen, gar und gar, für einen kurzen Moment. Diese - wenn auch oberflächliche - Absicht ist natürlich im Grunde die Essenz aller großen Popmusik und vielleicht sogar - obwohl das Urteil hier noch aussteht - aller großen Rockmusik. Auch wenn Freddie Mercury seinem überschäumenden Ehrgeiz freien Lauf ließ (und was war Bohemian Rhapsody, wenn nicht ein klassisches Beispiel für überschäumenden Ehrgeiz, der sich stets am Rande der totalen Absurdität bewegte), war sein Werk durch eine Liebe zum Detail, aber nicht unbedingt durch Tiefe geprägt. "Es gibt keine versteckten Botschaften in unseren Songs..." bekräftigte er mehr als einmal, als wäre die bloße Idee ein Gräuel für sein Showbusiness-Empfinden. Zumindest im musikalischen Sinne war Freddie reine Oberfläche. Aber was für eine Oberfläche! Was für eine blendende, strahlende, kaleidoskopische Oberfläche. Welch Showman. Welch Zauberer. Welch Chamäleon. Bis zum Ende.

Wie Madonna oder Elton John oder sogar Maria Callas wurde Freddie Mercury letztlich durch die schiere Größe und Allgegenwart seiner Berühmtheit zu einem jener Stars, deren Ruhm schließlich weit über ihr Werk hinausgeht. Das heißt, er ging ins öffentliche Pantheon ein. Er wurde zu einem Star, der nicht mehr primär dafür berühmt war, was er getan hatte - Songs schreiben, aufnehmen und aufführen - sondern einfach für das, was er war - Freddie Mercury, Mega-Star. Die ist natürlich in gewissem Maße stets das eigentliche, innewohnende Wesen des Ruhmes gewesen: Am Ende ist man einfach dafür berühmt, berühmt zu sein.

Heutzutage jedoch leben wir in einer Zeit, in der Ruhm das öffentliche Bewusstsein kolonisiert hat wie nie zuvor, in der Geschichten über Prominente - und in zunehmenden Maße auch Halb-Prominente - in allen Medien haarklein berichtet werden und unsere Fantasie auf Hochtouren bringen. Die endlos an uns vorüberziehende Parade zweit- und drittrangiger Faux-Stars, deren trüber Blick uns aus den Seiten aller Tageszeitungen und Zeitschriften entgegenstarrt und unser eigenes abgestumpftes und übersättigtes Interesse reflektiert, hat den Wert, die Wertschätzung des Ruhmes gemindert. Im Zuge dessen sind wir gegen den Appeal des echten, des wahren Stars fast abgestumpft. Fast. Freddie Mercury, behaupte ich, war ein echter Star.

Manchmal haben wir es übersehen, besonders die Kritiker, die in zunehmenden Maße nach einem tieferen Sinn hinter dem Offensichtlichen suchen, aber es war immer schon da und lag klar auf der Hand: Freddie Mercury hatte jede Menge Starqualität, Charisma, Präsenz und Ausstrahlung. Zudem hatte er ein intuitives Verständnis für den Vertrag, der zwischen dem Star und seinem anbetenden Publikum besteht; ein altmodisches Verständnis, das fast an Hollywood in seiner Glanzzeit erinnerte. So war er zum Beispiel sowohl auf der Bühne als auch privat immer mehr Liza Minelli als Mick Jagger. Er war Showbusiness und er war Rock-and-Roll, aber letztlich war er doch wesentlich mehr Showbusiness als Rock-and-Roll. (Ich spreche hier vom Showbusiness der alten Schule - Garland, Astaire, sogar Valentino, mit dem sich Freddie, nur halb im Scherz, oft verglich - "Ich bin ein echter Romantiker, genau wie Rudolph Valentino".)

Er hatte die Professionalität der alten Schule und vom ersten Tag ein frühreifes Verständnis des Vertrages, den selbst Rock-and-Roll forderte: "Heutzutage reichen Musik und Talent nicht mehr aus. Man muss mehr können als nur einen guten Song schreiben. Man muss ihn 'rüberbringen und verpacken... Man muss lernen, sich durchzusetzen und gleich von Anfang an lernen, mit der geschäftlichen Seite umzugehen... Geh' raus und nimm es dir, benutze es und lass' es für dich arbeiten... Du musst es den Massen verkaufen... Das nennt sich aggressive Verkaufsstrategie."

Hätte er im ersten Goldenen Zeitalter von Hollywood gelebt oder zur Zeit der ersten Anfänge der Rock-and-Roll-Ära, oder wäre in den psychedelischen 60er Jahren erblüht, so hätte sich Freddie Mercury der jeweils vor ihm liegenden Aufgabe vermutlich mit Ehrgeiz, Verstand und Stil gewidmet und es ebenfalls bis nach ganz oben geschafft. So war er einfach: er dachte, handelte, lebte GROSS. Er verstand es auch, einen Hauch von Mysterium, von Privatleben zu wahren. Er wusste, wie viel er seinen Fans geben musste, und wie viel er für sich und seinen engsten Freundeskreis zurückhalten musste. Er liebte es, Partys zu geben und Geschenke zu machen und überhäufte seine wahren Freunde und Vertrauten bei jeder Gelegenheit mit sorgfältig ausgewählten, oft extravaganten Geschenken. Er genoss sein Leben in vollen Zügen, im Stil einer wahren Diva.

Rückblickend ist es also durchaus möglich, Freddie Mercury in eine Abstammung oder Tradition einzuordnen, die sogar noch weiter vom Pop und Rock-and-Roll entfernt ist, als uns dies lieb sein mag. Seine Vorliebe für Opernpossen (Bohemian Rhapsody natürlich und rund ein Dutzend anderer Songs, die zwar nicht so überspannt und extravagant sind, doch eine gewisse Ungeduld mit den Beschränkungen des reinen Rock-and-Roll ahnen lassen) ist ein Hinweis auf die vielen Einflüsse, die ihn geformt haben. Ebenso lässt seine spät erblühende Liebe zur echten Oper und zum Ballett auf eine Geisteshaltung schließen, die sich für Ästhetik und Exotik, für ältere, farbenfrohere - und vielleicht am bezeichnendsten - anspruchsvollere Unterhaltungsformen begeistert als Rock-and-Roll.

Ohne allzu tief schürfen zu müssen, lassen sich in einigen von Freddie Mercurys Songs und in seiner Darbietung dieser Songs (vor allem in seinen besonders maniriert-schwulen Momenten) auch Spuren von Kabarett und altmodischem Varieté finden. Mit seinen Kostümen und seiner Bühnenpräsenz, seinen vielfältigen Persönlichkeiten und vor allem mit seiner stolzierenden, aufgeplusterten, posierenden Begeisterung für alles Exaltierte erinnert er auch an den lang zurückliegenden Zauber von Abenden im Zirkus, beim Karneval und natürlich in der Oper. (Erinnern Sie sich noch an den engen Catsuit, der mit riesigen Augen verziert war? Purer Zirkus-Surrealismus.)

Das heißt, das bereits von Anfang an, als er sich noch in Satin, Chiffon und schwarzem Nagellack ausstaffierte, etwas Exotisches, etwas Weltfern-Entrücktes an Freddie Mercury war. Diese Zandra-Rhodes-Kostüme - also wirklich! Welch andere Rockgruppe, außer vielleicht den Stones Anfang der 70er Jahre oder den missverstandenen, unterschätzten New York Dolls, hätte so früh in ihrer Karriere alles darangesetzt, so absichtlich unmännlich auszusehen. (Interessanterweise wurde Freddie Image weniger entrückt und überspannt, nachdem er seine Sexualität akzeptiert und angenommen hatte. Seine Kostüme beschränkten sich fortan auf fast karikaturhafte Ausdrücke des Schwulseins - der schnurrbarttragende Macho, der Leder-Klon war perfekt, außer den Ballettschuhen und Socken. Es war, als müsste er sich und seine vorliebe für ungewöhnliche Kleidung auf den Arm nehmen, bevor jemand anderes es tat. Was, frage ich Sie, hätte Freud dazu wohl gesagt?)

Anlässlich der Freddie Mercury Fotoausstellung, einer posthumen Würdigung seines Lebens, die in der berühmten Londoner Albert Hall stattfand - selbst im Tod macht Freddie keine halben Sachen - schrieb Waldemar Januszczak: "Fantasien vermitteln, die in das Reich von 1001 Nacht gehören - das war Freddies Errungenschaft"- Für einen selbst-gestylten, einfachen Entertainer war dies gewiss keine geringe Leistung. Letztlich war er, davon bin ich überzeugt, ein Traumweber, ein Schöpfer von Persönlichkeiten, Masken, Mythologien - ein Fantasiekünstler. "Viele meiner Songs sind Fantasie. Eigentlich sind es nur kleine Märchengeschichten. Ich kann mir alles mögliche zusammenträumen, weil das die Welt ist, in der ich lebe." Im nachhinein sehen wir, dass er jemand war, der seine Fantasien - auf der Bühne ebenso wie privat - buchstäblich durch Willenkraft zwang, zu Realität zu werden.

Mit diesem Ziel vor Augen lebte er sein Leben im grellen Licht der Scheinwerfer und Blitzlichter, dich die Geschehnisse seiner letzten Lebensjahre beweisen, dass diese Lebensweise ihm weder die Seele geraubt noch die Würde genommen hat. Er blieb bis zum Ende ein Showman, ein Illusionist und Chamäleon; sowohl eine Diva, die weiterspielt, bis der letzt Vorhang fällt, als auch eine zutiefst sich selbst verpflichtete Privatperson, für die selbst im Tod noch galt: "I did it my way". Freddie Mercury, so schwer fassbar und "mercurial" wie sein Pseudonym, war einmalig, und die Popwelt ist ohne ihn weniger glanzvoll, weniger maßlos geworden. Eins ist sicher: Seinesgleichen werden wir nie mehr sehen.

 

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