Queen - Mit Hofstaat auf Achse

Bravo, 1980

Ohne unsere Roadie-Crew von über 50 Mann wäre eine Tournee oder auch nur ein einziges Konzert einfach undenkbar", sagt Gerry Stickells, und er muss es wissen. Gerry ist der Tourneemanager von Queen und als solcher verantwortlich für den Aufbau des gigantischen technischen Apparates.

Bereits zwei Tage vor Beginn eines Konzertes wird damit begonnen, die riesige Lichtanlage der Gruppe zu montieren. Das Stahlgerüst mit einem Gewicht von mehreren Tonnen besteht aus etwa 60 Einzelteilen und wird von vier fingerdicken Stahlseilen über der Bühne gehalten. Die darauf montierten Scheinwerfer ergeben zusammen eine Leistung von 500 000 Watt, 1000 Watt pro Lampe. Vor jedem Konzert werden zerbrochene Farbglasscheiben, die beim letzten Abbau beschädigt wurden, in Windeseile ausgewechselt. Darüber wacht der Chefbeleuchter der Crew, Jimmy Barnett. Er ist der absolute Herrscher am computergesteuerten Lichtpult. Ein Profi auf dem Gebiet der Elektronik ist Licht-Designer Joe Travato. Er, der auch schon für Gruppen wie Pink Floyd gearbeitet hat, machte den ganzen Zauber erst möglich.

Nicht weniger als sechs LKWs mit je 36 Tonnen und zehn kleinere „Tracks" mit je 3 Tonnen Gesamtgewicht stehen für den Transport der Anlage bereit.

Ein 32-Kanal-Mischpult ist notwendig, um den perfekten Queen-Sound zu mixen und, über die 40 000-Watt-Verstärkeranlage zu schicken.

Mit 6 Lichtkanonen und 500 Spots haben Mercury & Co. auf Tournee den Stromverbrauch einer Kleinstadt. Sechs große Lichtkanonen mit je 6000 Watt Leistung tauchen die Bühne zwischendurch in gleißend helles Licht. Zusammen mit den rund 500 kleineren Spots, die die Bühne von oben beleuchten, hat Queen den Stromverbrauch einer Kleinstadt.

Auf die Frage, ob bei dem ganzen technischen Aufwand nicht die Musik etwas ins Hintertreffen geraten würde, meinte Brian May, Gitarrist von Queen: "Es ist beides notwendig - die Musik und die Show. Und zur Show gehört nun einmal der technische Aufwand. Wenn man sich vorstellt, wir würden unsere Musik in einem nüchternen Rahmen präsentieren, dann wären sicher viele Fans bitterlich enttäuscht. Der optimale Sound, die Lightshow - und dazu gehört natürlich auch die Technik-, das alles bildet zusammen eine einzige große Einheit. Wir brauchen das und unser Publikum auch."

Chris, der "Butler" von Drummer Roger Meddows-Taylor, fängt dreißig Minuten vor Beginn der Show an zu rotieren. Vier Ersatz-Fußmaschinen für die Basstrommel, ein ganzer Packen von Trommelstöcken und ein paar Beckenständer, bestückt mit unterschiedlichen Cymbals, müssen bereitgestellt werden. Geht während des Konzerts etwas zu Bruch, wechselt Brian blitzartig das defekte Teil aus. Reißt ein Trommelfell, so wird die ganze Trommel durch eine andere ersetzt. Alles läuft wie am Schnürchen. "Der größte Erfolg für mich ist immer, wenn ich am Ende eines Konzerts sagen kann, dass alles ohne Schwierigkeiten abgelaufen ist", sagt Brian.

Die fünfzig Roadies von Queen sind es gewohnt, oft mehrere Nächte nacheinander nur ein paar Stunden zu schlafen. Oft bleibt kaum die Zeit, zwischendurch einmal ein Würstchen oder einen Hamburger hinunterzuschlingen. Meistens sind es nur die Sitze der LKWs, die zwischendurch zu einem kurzen Nickerchen genutzt werden. "Mann, es schafft uns immer ganz schön", erzählt einer der Jungs. "Wenn ich wieder zu Hause bin, brauche ich wieder eine ganze Woche, um mich richtig zu erholen."

Wenn Queen die letzte Zugabe gegeben hat, können alle zufrieden nach Hause gehen - nur nicht die Roadies. Doch Urlaub gibt es wenig. Die Tourneen sind lang, und beinahe jeden zweiten Abend steht ein Queen-Auftritt auf dem Programm. Dann läuft der gnadenlose Countdown - bis zum Konzertbeginn.

Dann durchbrechen die Lichtkegel der Scheinwerfer das Dunkel und treffen auf Freddie Mercury und seine Freunde. Der Sound donnert ins Publikum hinaus.

Doch von alledem bekommt der "Hofstaat" von Queen, die schwerarbeitende Road-Crew, die hinter den Kulissen ihre Pflicht tut, nur wenig mit. Ihr Job ist Routine und doch immer wieder neu. Wenn am Ende der Show die Bühnenlichter erlöschen. ist ihre Arbeit noch längst nicht getan. Der Abbau beginnt. Zuerst müssen die Instrumente, das Schlagzeug, Mikrofone und Kabel wieder in die dafür bereitstehenden Transportkisten geladen werden. Dann folgt das Verstauen der Verstärker, Mischpulte und Scheinwerfer, die für zwei Stunden ihre Pflicht und Schuldigkeit wieder einmal erfüllt hatten.

Längst liegen Brian May, John Deacon, Roger Meddows-Taylor und Freddie Mercury in ihren Hotelbetten, wenn sich der letzte Roadie vor der Weiterfahrt im Morgengrauen noch ein kühles Bier genehmigt.

Willi Kopenberger

 

 

Zurück zu Queen-Headquarters