Queen auf dem Weltraum-Trip

Bravo, 1980

Warum Freddie und Co. die Musik zu dem Science-Fiction-Film „Flash Gordon" schrieben, verriet Brian May im BRAVO-Interview.

BRAVO: Wie kommt eine Rockband wie Queen eigentlich dazu, die Musik für einen Science-Fiction-Film zu schreiben?

Brian: Untere amerikanische Plattenfirma hat einen Publikationsvertrag mit Dino De Laurentlls, dem Produzenten von „Flash Gordon", für die Soundtracks seiner nächsten drei Filme abgeschlossen. Sie stellte den Kontakt zwischen Dino und uns her. Er wollte einen Science-Fiction-Film besonderer Art machen und hatte deshalb wohl von Anfang an die Idee Im Kopf. eine Rockband ranzulassen.

BRAVO: Was reizte Queen so sehr an dem Film, dass ihr trotz Tournee- und Studio-Stress dazu bereit wart, den Soundtrack zu schreiben und aufzunehmen?

Brian: Normalerweise bekommt eine Rockband nur Angebote für Rock- oder andere Filme, in denen die Songs eine bestimmte Rolle in der Handlung spielen. Bei Flash mussten wir eine gute Untermalung für die Bilder liefern, was eine sehr interessante Aufgabe ist. Außerdem fanden wir die Grundidee des Films gut. Trotzdem stürzten wir uns nicht wie wild auf das Angebot, sondern sagten: „Wir versuchen es mal. Wenn es klappt - wunderbar." Als Produzent und Regisseur sich anhörten, was in einer Woche Arbeit bei uns rausgekommen war, waren sie begeistert. Von da an steuerten auch sie ihre Ideen bei.

BRAVO: Ist es ein großer Unterschied für euch, ob Ihr eine Original-Queen-LP oder wie jetzt mit „Flash", ein Soundtrack-Album aufnehmt?

Brian: Ich glaube, das Album "Flash" hat mehr von einem typischen Queen-Album als von einem typischen Soundtrack-Album. Wir haben zuerst die Film-Musik aufgenommen, sie später neu zusammengestellt und noch mit ein paar Kleinigkeiten versehen, so dass man jetzt auf der Platte die Story des Films genau mitverfolgen kann.

BRAVO: Die Hauptarbeit an dem ganzen Projekt hast du allein geleistet. Wie kam das?

Brian: Als wir das Ding endgültig abliefern sollten, standen wir alle unter Zeitdruck. Und ich war derjenige, den das Filmprojekt am meisten interessierte. So blieb die Aufgabe, unsere Aufnahmen endgültig abzumischen und synchron dem Film anzupassen, an mir und Mac,. unserem Ton-Ingenieur, hängen. Es hat aber eine Menge Spaß gemacht. Ein Soundtrack ist ein Gemisch aus Sprache und Sound-Effekten aus der Filmhandlung und der dazu unterlegten Musik. Der Zuschauer muss alle drei Dinge gleich gut verstehen können, ohne dass sie sich miteinander vermischen. Den Regisseur interessiert natürlich vor allen Dingen die Verständlichkeit seiner Dialoge, so dass er unsere Musik auf seiner Fassung stellenweise zu weit in den Hintergrund gedrückt hatte. Mit unserem endgültigen Mix konnten Mack und ich da noch viel retten.

BRAVO: Stimmt es, dass Ihr, nachdem Ihr eine 30-Minuten-Rohfassung des Films gesehen habt. untereinander aufgeteilt habt. wer für welche Filmfigur die Musik schreibt?

Brian: Nicht ganz, aber fast. Zunächst waren wir einfach für eine Woche zusammen im Studio und spielten mit unseren Ideen rum. Dabei entstand die Basis für den Soundtrack. Zum Beispiel hatte ich schon beim ersten Anschauen der Rohfassung die Idee für das Hauptthema „Flash's Theme" - ein paar Töne, die ich irgendwie zu einer pathetischen Heldenmusik zusammenbauen wollte. Nach der ersten Woche wussten wir genau, für welche Stellen des Films wir noch was brauchten. Wir hatten nichts, was zu Ming, Flashs Gegner, passte. Da sagte Freddie plötzlich: „Okay, ich bekomme ja immer die düsteren Sachen ab", ging nach Hause und kam am nächsten Tag mit einem tollen Ming-Thema zurück.

BRAVO: Wer von euch schrieb welche Themen?

Brian: John hatte die Idee für eine hübsche Drei-Töne-Melodie, aus der er das "Arboria Theme", das die Atmosphäre auf dem Planeten der Baummenschen beschreibt, machte. Roger schrieb „Escape From The Swamp", das im Film an der Stelle erklingt, wo Flash aus dem Sumpf mit all den Untieren, die ihn verfolgen, entkommt. Außerdem stammt von Roger „In The Death Cell". Freddie schrieb „Vultan's Theme".

BRAVO: Was habt Ihr für ein Gefühl, wenn ihr jetzt den Film mit eurer Musik anschaut?

Brian: Zufrieden mit bestimmten Einschränkungen. Wenn ich zwei Wochen mehr Zeit gehabt hätte, hätte ich noch eine Menge besser machen können.

BRAVO: Du hast früher mal Astronomie studiert. Hat dein Interesse für das Weltall etwas mit deinem Engagement für einen Science-Fiction-Film zu tun?

Brian: Ehrlich gesagt, nein. Ein Science-Fiction-Film hat kaum etwas mit Wissenschaft zu tun, besonders nicht „Flash Gordon". Es ist wirklich nur ein spaßiges Stück…

 

 

 

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